Willkommen Türkei – Hoşgeldin Türkiye

Am Flughafen, ein letztes mal unsere Freunde in die Arme genommen und die Räder am Schalter abgegeben, ging es mit einem breiten Grinsen ab nach Istanbul.

Zugegeben, ein bisschen Bammel vor den ersten 20 km vom Flughafen in die Innenstadt Istanbuls hatten wir schon. Wir kannten die Stadt bereits von vorhergehenden Reisen und wussten, was es mit dem Verkehr auf sich hat. Gott sei Dank war es dann aber doch nicht so schlimm. Der Abendverkehr hielt sich in Grenzen und wir ließen uns entspannt per Navi zum Hotel leiten. Am nächsten Tag schnappten wir unsere Räder und radelten durch die Gassen der Stadt.

Wir waren sehr erstaunt, wie leer gefegt die touristischen Plätze waren, hier und da ein paar Chinesen oder Japaner, ansonsten kaum europäische Touristen. Wir aber fanden das gut, kein Gedrängel und Geschubse, man konnte die Stadt wirklich mal genießen – das haben wir auch schon anders erlebt.
Wir sind zur Bosporusbrücke geradelt und deckten uns auf dem großen Basar mit Tabak, Trockenobst und Nüssen ein, denn schon am nächsten Tag wollten wir los. Früh am Morgen ging es über die Galatabrücke zum Fährschiff und schwups, waren wir im asiatische Teil dieser Millionenmetropole.

Wir hatten ein straffes Programm, denn Izmit war unser Tagesziel. Die ersten 40km waren noch entspannt, sie führten uns auf neuen Radwegen direkt am Marmarameer entlang. Die Sonnenstrahlen kitzelten unsere Nasen und wir genossen ein letztes mal lecker Fisch (Balık), bevor es für die nächsten Wochen ins Landesinnere geht.

Danach änderte sich schlagartig der Verkehr, denn es ging auf einer großen Fernverkehrsstraße weiter. Durch unsere Radreisen in Polen sind wir schon einiges gewohnt, aber diese Straße hatte es echt in sich. Dichter Verkehr, tausende LKW´s und lärm ohne Ende strapazierten schon etwas unsere Nerven. Am Abend hatten wir dann 104km auf dem Schirm und unser Kontakt in Izmit hat auch noch kurzer Hand die Unterkunft gecancelt, na bravo. Last but not least haben wir aber Özcan (genannt Ötzi) kennengelernt. Ein in Deutschland geborener Türke, der vor 10 Jahren in die Türkei zurück ging und sehr erstaunt über unser Vorhaben war. Er kümmerte sich um einen Schlafplatz für uns und am Ende des Tages fielen wir zufrieden ins Bett.

Tag zwo auf dem Drahtesel (wir ham´s erwartet), Sauwetter ohne Ende. Wir radelten die Kilometer nur so runter, mussten notgedrungen auch noch Campieren. Wir freuen uns total auf die Nächte im Freien, lieben das Zelten sehr, aber die erste Nacht draußen haben wir uns wirklich schöner vorgestellt. Mitten im Schlaf dann auch noch Geknatter aus einem Maschinengewehr, Schreck auf – na das jeht ja jut los – muss wohl irgend ’n Typ auf der Jagd gewesen sein. Da flattert einem schon mal kurz das Herz. Warum und weshalb, wir werden´s nie erfahren.

Weiter ging es in Richtung Eskişehir. Die Landschaft änderte sich, die ersten Berge hatten wir vor den Augen, hier und da ein Straßentunnel und kleinere Anstiege standen auf dem Programm. Wir schraubten uns so langsam hinauf und ließen die noch nicht vorhandenen Muskeln spielen.

Auf der Suche nach einem warmen Schlafplatz landeten wir in einem kleinen Ort Namens Dübleki und ritten dort in´s Dorfcafé ein. Der Wirt Halil nahm uns mit Tee (çay) und Wein in Empfang, wir holten die Berliner Luft aus der Tasche und schon war die Unterkunft gefunden.
Halil war ein Räuchermännchen erster Klasse und paffte eine nach der anderen. Seine Gastfreundschaft ließ nichts zu wünschen übrig, er tische einen reichhaltigen Bohneneintopf, sauer eingelegtes Gemüse und wie zu jeder türkischen Mahlzeit Brot (Ekmek) auf. Nach dem Abendbrot kehrte auch noch die ältere Herrengarde zum Dominospiel ein, im TV lief gefühlte drei Stunden lang Herzblatt auf türkisch und das Café wurde ordentlich zugeräuchert. Pünktlich um 22.30 Uhr standen plötzlich alle auf und verließen schlagartig den Salon. Halil klappte die Sofas aus, schmückte das Bett mit zahlreichen Wolldecken und unsere Betten waren gemacht. Was für eine Gastfreundschaft.

Am nächsten Morgen hatte Dominic leider etwas Knieprobleme, ausgerechnet jetzt, wo wir uns so langsam warm fahren. Dennoch sind wir los geradelt, durchquerten dann irgendwann mal die Stadt Eskişehir und kehrten in einem türkischen Steakhouse ein. Die Preise werden immer günstiger und zu zweit kann man schonmal für 40 Türkische Lira (umgerechnet ca.10€) auf dem Grill zubereitetes Hack (Köfte), frischen Salat, gebackenes Fladenbrot und Getränke aufgetischt bekommen. Also das Essen haben die Türken jedenfalls voll auf dem Kasten! Wir haben ein Tagesbudget, welches wir nicht überschreiten wollen, aber bei den Preisen ist das wohl kaum möglich. So können wir uns bei Nachttemperaturen um die 4°C das Zelten sparen und uns sogar noch eine Pension leisten. Je weiter wir in den Osten fahren, um so günstiger werden auch die Zimmerpreise.
An diesem Tag aber sieht es wohl eher schlecht für uns aus. Es gibt kaum Ortschaften und somit auch keinerlei Abfahrten von der Fernstraße. Wir waren aber auf der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz und die Zeit rannte uns auch davon. Das Knieproblem kam noch hinzu und wir wollten auch so langsam Schluss machen für heute. Plötzlich, eine abgeranzte Tankstelle in Sicht. Wir bogen ein und sahen einen Arbeiter am Schaufeln. Wir fragten ihn, ob wir in dem Gebäude schlafen können, er dachte sich vermutlich – woher kommen die denn jetzt – und rollte etwas mit den Augen. Wir schauten uns gemeinsam die Räume dieser alten Tankstelle an, keinerlei Wände, Stromleitungen ragten aus dem Boden, Klo etc. nicht vorhanden.

Hier könnt ihr schlafen, aber erstmal mitkommen – meinte er. Wir betraten sein kleines Zimmerlein in dem Nachbargebäude, einem leerstehenden Restaurant. Ein kleiner Ofen und ein, zwei, drei… çay brachten die wohlersehnte Wärme. Fahri, so sein Name, kümmerte sich sehr um uns, er bereitete türkische Nudeln und Salat zum Abendbrot zu und schlussendlich konnten wir in seinem Gebäude schlafen, welches dann wenigstens vier eigene Wände hatte und dann doch etwas wärmer für uns war. Er verabschiedete uns mit einem reichhaltigen Frühstück und wir radelten auf und davon nach Sivrihisar.

In diesem kleinen Ort legen wir nun etwas Pause ein, denn das Knie von Dominic muss etwas geschont werden. Hamam und Faulenzen steht nun auf dem Programm und wir lassen´s uns einfach nur gut gehen.

 

3 Kommentare

  1. Klingt ziemlich lustig und aufregend, bis auf Dominic’s Knie und das Maschinengewehr …

    Viel Spaß weiterhin! 🙂

  2. Aufregende und zugleich mutmachende Tourbeschreibung der ersten Tage. Die spontanen Erlebnisse der Übernachtungen können wir nachvollziehen, weil auch so erlebt. Danke für eure schönen Zeilen und die Fotos. Keri natürlich baldige Linderung seiner Kniebeschwerden und euch beiden alles Gute, weiterhin angenehme Fahrt und ein Tabu dem Pannenteufel. Liebe Grüße von Maren und Uwe.

    • radler

      15. Februar 2017 at 8:43

      Danke Uwe, dass Knie wird langsam! Mussten notgedrungen in die Klinik und halten uns nun in Haymana auf. Haben eine nette Pension mit hauseigenem Hamam und 42°C heißem Thermalbecken im Keller, also Ideal zur Erholung 🙂

      Beste Grüße

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