II Auf dem Weg nach Anatolien

Nach einer kleinen Pause wir haben Sivrihisar verlassen und der Weg führte uns über Polatli weiter nach Haymana. Die Fahrt hin zu diesem Ort wird uns wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Wir hatten uns an diesem Tag extra eine kürzere Strecke vorgenommen, da das Knie von Dominic immer noch Probleme bereitet. Daher standen „nur“ 40 km auf dem Tagesprogramm. Es war ein kalter Tag mit viel Sonnenschein und einer tollen Landschaft.

Alles wirkte nun etwas karger, weite Ebenen und steppenartige Hochplateaus, teilweise noch schneebedeckt. Endlich mal fernab von großen Straßen, kaum Verkehr, Ruhe und Zeit zum Genießen, außer man wird von kläffenden Hunden durch´s Dorf eskortiert. Wir hatten noch einige Kilometer bis zum Zielort, dann eine Kreuzung und statt geradeaus schlagen wir rechts ein. Die Straße führte uns nun bei frostigem Gegenwind die Berge hinauf und das Knie muckerte und muckerte. Höllische Schmerzen und kaum ein Vorankommen. Genau das, was der Radler so hasst, aber es gehört halt auch einfach mit dazu.

Nach langer Zeit dann endlich mal wieder ein Dorf in Sicht. Wir pausierten in einem kleinem Café mit Ofen zum Aufwärmen und einem heißen Getränk, nagten an unseren Lieblingskeksen und Trockenobst und kamen mit den Dorfbewohnern ins Gespräch. Sie erzählten, dass wir die falsche Richtung eingeschlagen haben. Die Kinnlade fiel nach unten, denn wir dachten, wir wären kurz vor dem Ziel. Noch weitere 30 km mussten wir kurbeln, Dominic auch bergauf schieben, und bei dem Wind, den wir hatten, bedeutete das ca. 4 Stunden Fahrt. Die Temperaturen standen schon unter Null, aber gefühlt war es viel kälter. Inzwischen froren uns die Trinkflaschen ein.

Am Abend dann erreichten wir völlig ausgelaugt das Ziel. Ein Bärenhunger führte uns direkt in Mirás Restaurant. Wir lernten mal wieder einen Deutschtürken kennen und erzählten vom leidigen Problem. Murat sein Name, fuhr uns anschließend – es war Sonntag Abend – direkt ins örtliche Spital. Es wurde geröntgt, eine dicke Spritze in den Hintern gerammelt und für die nächsten Tage Ruhe verordnet. Wir fanden eine Pension mit einem tollen Hamam inklusive 42 °C heißem Thermalpool im Keller. Hier sollte das Knie nun für einige Tage seine Erholung bekommen. Wir waren die einzigen Gäste und genossen das Ganze in vollen Zügen.

Nach fünf Tagen Pause und das Gefühl dem Knie geht´s wieder gut, radelten wir zum Tuz Gölü, einem 80 km langem Salzsee und somit größtem des Landes. Mitten durch die weiße Salzlandschaft führte eine Straße ohne Verkehr, für uns das reinste Fahrvergnügen. Allmählich wird es langsam auch wärmer und wir bekommen schon den ersten Hauch von Frühling zu spüren.
Nun wieder mit einem leichten Stechen im Knie – kotz, bröckel – steuerten wir Aksaray an. Die Einfahrt ins Zentrum bot uns einen fantastischen Blick mit dem dahinter liegenden Vulkan Hasandağı, dem zweithöchsten Berg Zentralanatoliens.

Wir fuhren zunächst in ein besser betuchtes Stadtviertel, wo uns Hakan herzlich in Empfang nahm. Ihn haben wir einige Tage zuvor über das Internet kennengelernt. Er ist ebenfalls leidenschaftlicher Radfahrer und bot uns Unterschlupf in seiner tollen Wohnung an. Die Familie verwöhnte uns nach Strich und Faden und das ganze dann auch noch für lau, welch ein Glück mal wieder. Wir spazierten gemeinsam durch die Stadt und dank Händen, a liitle bit english und google translator hatten wir einen amüsanten talk. Der Tisch wurde zu Abend und am Morgen reichlich mit regionalen Spezialitäten gedeckt und unsere Gaumen wurden mit selbst gemachten Börek, frischen Oliven, feinstem Honig und frischem Ziegenkäse mehr als nur verwöhnt. Das beste Essen das wir in den letzten Tagen hatten – selbst das war gut -, dafür wollen wir uns auch noch mal ganz herzlich bedanken. Und lustig war es allemal. Eine tolle Erfahrung.


Am nächsten Tag ließ Hakan dann auch noch seine guten Beziehungen spielen und wir besuchten einen Sportarzt im Krankenhaus, denn das Knie lief keine 100%. Kurze Stippvisite und an den Knochen herum gewürgt, gab es weitere Ruhe, neue Medikamente und eine Knie-Kompresse verordnet. Zum krönenden Abschluss wurde Kaffee und Tee im Patientenzimmer serviert und noch ein Plausch gehalten, wir waren völlig baff. Anschließend organisierten wir uns ein Busticket für die Weiterfahrt, denn das Rad muss nun leider wieder etwas ruhen. Busunternehmen gibt es hier wie Sand am Meer, dementsprechend wird man an den Ticketschaltern mit einem Getöse und Geschrei umworben. Keine 5 Minuten später und um 15 Lira ärmer – 4 Euro für 80 km Strecke inkl. Räder -, hielten wir grinsend das Ticket in der Hand. Alles ist tip top organisiert, Kaffee, Tee, Cola oder Wasser on board ist selbstverständlich. Pünktlich starteten wir und keine Stunde später waren wir in Uçhisar, eines unserer Zwischenziele in der Türkei.

Dieses Dorf befindet sich in Kappadokien, einer aus weichem Tuff bestehenden Höhlenlandschaft, die mehrere Ortschaften miteinander verschmelzen lässt. Es gibt unzählige Räume, die mit Gängen verbunden und über mehrere Etagen hoch oder tief sind. Früher dienten sie als Wohn- und Lagerräume, im byzantinischen Reich teilweise auch als Kloster. Heute stehen diese größtenteils leer oder wurden zu Pensionen oder Hotels umgebaut. Eine wirklich einzigartige Landschaft, die sich immer wieder auf´s neue entdecken lässt.

In Uçhisar besuchten wir zwei Gastfamilien, die Dominic zehn Jahre zuvor schon kennengelernt hatte. Wir kamen unverhofft und auf gut Glück. Mit Baklava bepackt standen wir klopfend vor der Tür, dementsprechend groß war auch die Freude. Wir wurden mal wieder vom Feinsten bekocht, schauten Fotos von damals und ließen die letzten Jahre Revue passieren. Am Abend waren wir dann noch auf der Suche nach einem preiswerten Zimmer und siehe da, wir sind fündig geworden.

Ein tolles Höhlenzimmer, super ausgestattet und am Morgen sitzt man auf dem Dach der Uçhisar Cave Pension, genießt das Frühstück mit einem fantastischen Blick auf dieses bezaubernde Tal. Hier verbringen wir nun einige Tage, bevor es dann weiter gen Osten geht.

3 Kommentare

  1. Toll geschrieben und wie immer super Bilder. Ich bin richtig am mitfiebern, und gespannt was euch noch erwartet. Hoffentlich spielt das Knie bald wieder mit und ich wünsche euch weithin so viel Glück mit euren Gastgebern! Grüße

  2. So langsam kommt echt Neid auf, bis auf die Knie-Sache…. Die braucht kein Mensch. Liest sich echt toll, was Ihr so schreibt. Grüße aus der Heimat und
    alles Gute weiterhin..

    • radler

      4. März 2017 at 16:15

      Danke!
      Das Knie funzt wieder, haben gut Pause eingelegt.
      Beste Grüße von den Radlern

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