III Auf den Straßen Kurdistans

Gut erholt und mit vollen Kräften haben wir Kappadokien verlassen. Ein wahrlich wunderschönes Fleckchen Erde, an dem man seine Ruhe findet und entspannt abschalten kann. Wir werden uns definitiv wieder sehen! Weiter geht es über Kayseri nach Malatya, wieder mal mit dem Bus, gesundheitsbedingt geht es leider nicht anders.

Auf der Fahrt dorthin haben wir Serdar kennengelernt. Er ist ebenfalls ein Radliebhaber, hat selber einige Schmuckstücke zu Hause stehen und das nicht von der Stange. Serdar ist Mitglied in einem Radfahrer Club – gleichzeitig ein Radladen – der Beste und Größte der Stadt. Wir schlendern gemeinsam durch die City, dampfen schön Wasserpfeife in einem der unzähligen Cafés und statten dem Club einen Besuch ab. Wir plaudern über Touren in der Türkei und haben zugleich mal die Bremse von Dominic unter die Lupe nehmen lassen. Seit ein paar Tagen macht diese komische Geräusche, ein leichtes Zischen am Bremshebel. Der Ladeninhaber und Chef des Clubs Mustafa nimmt sich das Ding unter die Lupe und siehe da, der Kolben im Eimer, na super und was nu? Überlegungen hin und her. Ersatzbremse nicht dabei – kotz, bröckle, Genau das gleiche Modell in dieser Stadt – unmöglich, neue Bremse schicken lassen – zu umständlich und eine ewige Warterei. Also wühlt sich Mustafa durch sämtliche Regale seiner Werkstatt und siehe da, er ist fündig geworden. Nach ca. 1 1/2 Stunden Arbeit und kurz vor Feierabend hatte das Rad eine „neue“ Bremse. Diese ist zwar gebraucht, aber erfüllt ihren Zweck und wer weiß, vielleicht hält sie ja die Tour noch bis zum Ende durch. Glück im Unglück, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort und die besten Leute, die man in diesem Moment haben kann. Der Raddoktor – mit Leidenschaft herangegangen – hat gezaubert und für umgerechnet 25 Tacken ist der Esel vorübergehend wieder 100 % einsatzbereit. Wir haben den Hersteller der Bremse kontaktiert und werden sehen was passiert!

Volle Kraft voraus fahren wir über einen der vielen Euphrat Stauseen in Richtung Diyarbakir. Die Gegend um Malatya ist Anbaugebiet für Aprikosen, hier nutzen wir die Gelegenheit uns mit Trockenobst und Sirup – wenn nicht hier, wo dann – einzudecken. Wir radeln weiter am Hazar See entlang. Eine 30 km lange Prachtstraße mit Blick auf den See und auf das dahinter liegende Gebirge. Hier lohnt es sich auch bei Nachttemperaturen unter 0°C die Zelte aufzuschlagen. Die Entfernungen zwischen den Ortschaften werden immer größer, die Landschaften immer steiniger und karger. Die Anstiege halten uns in Atem, denn diese haben es teilweise ordentlich in sich. Wir kommen aber so langsam in Fahrt und werden mit tollen Aussichten und Abfahrten belohnt!

Wir rollen an ersten Straßenkontrollen mit bewaffneten Polizisten und großen Betonpollern vorbei, aber immer mit einem freundlichen Gruß. Mehr und mehr tauchen wir in Kurdistan ein. Die Menschen wirken noch freundlicher, die Blicke folgen uns überall hin, jeder spricht uns an, der Tee ist mittlerweile oft umsonst. Wir haben Diyarbakir erreicht und das Gefühl, wir sind bereits im Orient gelandet. Überall räuchert´s und duftet´s nach Gewürzen und Gegrilltem. Ein tolles buntes Treiben auf den Straßen, Schuhputzer, Sackkarren, Gemüsehändler an jeder Ecke. Die große Stadtmauer rund um die Altstadt, die vielen kleinen Gassen und Handwerkerläden laden zumEntdecken ein. Wir scheinen hier die einzigen Touristen zu sein und wecken meistens die Neugier der Einheimischen und vor allem der Polizei, die uns teilweise nervt! Unzählige Panzerfahrzeuge, Straßensperren und Kontrollen. Drei mal müssen wir uns ausweisen. Dummerweise haben wir beim ersten mal den Pass nicht dabei, so dass der Hotelpage extra zur Polizeistation kommen muss, aber alles i.O., reine Vorsichtsmaßnahme!

Nach zwei tollen Tagen in dieser Stadt, steuern wir nun den Van See an, der Größte und mit 1719 m. ü.d. Meeresspiegel höchstliegende See der Türkei. Er ist sieben mal größer als der Bodensee und wir haben das Gefühl, wir befinden uns direkt am Meer. Wir fahren im leichten Morgennebel nördlich am See entlang. Eine super Straße führt uns an seinem Ufer immer weiter nach Osten. Es gibt kaum Verkehr, flache Strecke, kein Gegenwind und gegen Mittag dann auch noch Sonne satt – everything is perfect. Wir haben eine super Sicht und dann taucht in weiter Ferne der Süphan Dağı auf. Ein erloschener Vulkan der direkt neben dem See liegt. Dieser Anblick lässt unsere Herzen höher schlagen und wir legen mehr Schmökerpause ein als geplant.  Am nächsten Morgen genießen wir das Frühstück im Obergeschoss unseres Hotels mit einer tollen Aussicht auf den tiefdunklen See und die riesigen Gebirgsketten drumherum, der Hammer!

Wir freuen uns auf die Weiterfahrt, die uns fast einen Tag lang um diesen tollen Vulkan führt. Dabei schrauben wir uns so langsam nach oben, es wird wieder kälter – richtig kalt – und dann landen wir wieder auf einer Hochebene. Mehrere Hügelketten schmiegen sich um diesen Riesenbrocken. Es hat noch eine Menge Schnee hier oben und wir können nur erahnen, welche Massen wohl im tiefsten Winter hier liegen. Von Patnos nach Ağrı folgen wir dann einen gefrorenen Flusslauf, der sich durch die schroffen Berge zieht. Nach fast jeder Kurve verändert sich das Bild und wir sind immer wieder überrascht, wie schön es hier ist.

Wir verbringen noch zwei Tage in Erzurum und kehren der Türkei nun so langsam den Rücken, denn das nächste Land wartet darauf entdeckt zu werden. Fünf tolle Wochen haben wir hier verbracht und wurden stets mit Herzlichkeit und Gastfreundschaft empfangen. Die Türken sind ein liebenswertes Völkchen, dem man kaum einen Tee abschlagen kann, und mit Händen und Füßen klappt dann auch die Unterhaltung. GÜLE GÜLE TÜRKIYE!

 

3 Kommentare

  1. Hallo lieber Dominic!
    Wir verfolgen deine aufregende Reise vom immer noch zu kalten Halle aus.
    Weiterhin viel Spaß!

    Liebste Grüße
    Mathilda aus dem Hort

  2. Peggy Winkler

    24. März 2017 at 19:50

    Hallo Ihr Zwei,
    mit Spannung folge ich eurem Trip und bin total begeistert. Eine tolle Reise und beeindruckende Fotos! Macht weiter so und ganz viel Spaß!
    Liebe Grüße,
    Peggy (die Mama von Nele)

    • radler

      25. März 2017 at 14:34

      Danke für die Grüße! Uns geht es gut, das Wetter passt auch, besser geht es nicht.

      Grüße aus Tbilisi

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