Iran – Ein Land mit viel Herz

Der Iran, was freuen wir uns seit Monaten auf dieses riesige Land, reich an Kulturschätzen, voller Geschichte und landschaftlicher Vielfalt. Hier werden wir die längste Zeit unserer Reise verbringen und sind gespannt, was uns erwartet. Die ersten Tage radeln wir durch die Provinz Gilan, der wichtigste Reislieferant des Landes. Gleich hinter dem Grenzübergang Astara bekommen wir auch schon die ersten Reisfelder und dichte Wälder zu sehen, davon gibt es eine Menge hier. Wir schlafen noch ein letztes mal am Kaspischen Meer, bevor es ins Landesinnere geht und nutzen die zur Verfügung stehenden Parks der Region. Campen ist hier fast überall erlaubt, selbst in einem Stadtpark kein Problem.

Wir erreichen Rasht, die erste große Stadt in diesem Land. Wir essen gemütlich ein Eis am Straßenrand und überlegen wo wir nächtigen können. Plötzlich spricht uns ein Herr an und lädt uns zu ihm nach Hause ein. Hier bekommen wir die volle Packung der iranischen Gastfreundschaft zu spüren. Uns erwartet ein großes Haus am Rande der Innenstadt, mit allem was dazu gehört. Hashem und seine Familie verwöhnen uns zwei Tage lang nach Strich und Faden und laden uns zu einem Tagesausflug ins 80 km entfernte Masuleh ein. Das idyllische Bergdorf liegt auf 1100 m Höhe und besteht überwiegend aus Lehmziegelhäusern. Jedes dieser Häuser hat ein Terrassendach, das begehbar und dann mit dem nächsten Haus verbunden ist. Alles ist verschachtelt, es hat unzählige Treppen und Gassen. Oben angekommen hat man dann einen tollen Blick auf die Dächer und hinunter ins Tal.

Schweren Herzens verabschieden wir uns von dieser wunderbaren Familie und radeln weiter über das Elburz Gebirge. An diesem Tag hat es reichlich Gegenwind aus Süd, und mit einmal bekommen wir den Wind wie aus einem Heißluftgerät mitten ins Gesicht geschlagen. Das Thermometer klettert Innerhalb weniger Minuten – schnauf – von 17 °C auf weit über 30 °C. Wir fahren am Sefid – Rud Stausee entlang, ein riesiges Wasserreservoir, das von Bergen umgeben ist.

Nach und nach schrauben wir uns bei prasselndem Regen weiter hinauf zum Pass, von dem aus wir dann nach Qazvin fahren. Hier parken wir die Räder ab, nutzen zum ersten mal den Zug auf unserer Reise und das zu einem Spottpreis von umgerechnet 3,00 € für zwei Tickets. Es geht wohl oder übel ins 180 km entfernte Teheran, wo wir die weiteren Visa organisieren. Die Stadt ist voll von Motorrädern und es hat reichlich viel Lärm, jeder fährt wie er lustig ist, Ampeln gleich Null und wir sind froh, dass wir den Zug genommen haben. Nach langer Zeit in der Natur ist diese stickige Metropole für uns erstmal eine Umstellung. Doch wir haben Glück, können alles an nur einem Tag erledigen und sind froh, diesem riesigen Moloch den Rücken zu kehren. Mit frischen Visa fahren wir zurück ins eher gemütliche Qazvin. Vor Ort schauen wir uns die mit Spiegeln reichverzierte Imamzade Hossein Grabmoschee an und genießen das gemütliche Städtchen.

Wir machen weiter nach Hamedan und kurbeln mit ordentlichem Gegenwind Richtung Alvand Gebirge. Die Straßen sind in gutem Zustand, es hat wenig Verkehr. Es wird oft gehupt, gelegentlich fährt ein Auto oder Motorrad langsam an uns heran – where are you from – ? Allein in den ersten paar Tagen bekommen wir am Straßenrand Kekse, Kuchen, Melone, Suppe mit Joghurt und sogar Eiscreme geschenkt. Bei den langsam ansteigenden Temperaturen für uns der absolute Hit. Wir sind überwältigt von der Gastfreundschaft und Aufgeschlossenheit, die für uns manchmal schon zuviel des Guten ist. Die Iraner stehen auch total auf Selfies und da sind wir Exoten natürlich das perfekte Motiv.

Mehr und mehr nähern wir uns nun dem Alvand Gebirge. An den Berghängen leuchten die Wiesen in sattem Grüntönen und entlang der Strecke hat es viele blühende Obstbäume. Beim Überqueren des 2300 m Passes glüht nicht nur die Sonne, sondern auch die Knochen und wir denken immer wieder an das, was uns später noch erwartet. Danach geht es mit ordentlichem Schwung in eine Hochebene und weiter nach Hamedan. Die Stadt liegt zu Füßen des Zagros – Vorgebirges. Im Zentrum erwartet uns zunächst die Ruhe, denn es ist Freitag (im Iran Wochenende) und gegen frühen Nachmittag, wo die meisten Läden geschlossen haben. In dieser Zeit nutzen viele die Schattenplätze in den Parks. Am Abend ändert sich dann das Bild. Die Rollläden gehen nach oben und die Straßen pulsieren plötzlich. Händler breiten ihre Ware auf den Gehwegen aus, es duftet nach Essen, eine Menge Lampen und LED Werbeschilder setzen das Ganze noch in Szene. Nicht nur auf den Straßen, sondern auch auf dem Basar blüht das volle Leben, für unsere Augen ein Gedicht.

Einen Tag später treffen wir mitten auf der Straße dann einen Taubstummen. Er hat sein Bike auf ein Tourenrad getrimmt und ist total happy uns zu sehen. Auch wenn die Verständigung zunächst etwas schwierig erscheint, können wir ihn verstehen. Er begleitet uns durch die Stadt und wir machen einen kleinen Abstecher ins örtliche Hamam Museum. Es hat viel Gewölbe und die Innenausstattung lässt an die alte persische Zeit erinnern.

Nach kurzen Break rollen wir nun gen Esfahan. Die Landschaften werden immer schöner, von sanften Hügeln, bis hin zu hochalpinen Gebirgsketten ist alles dabei. Immer wieder begegnen wir Halbnomaden, die mit ihren Schafherden die Straßen kreuzen oder ihre Lager auf den Feldern aufgeschlagen haben. In der Provinz Loristan, genauer gesagt in der Gegend vor Dorud, haut uns die Landschaft ganz besonders aus den Socken.

Wir finden ein gemütliches Plätzchen auf einem kleinen Hügel am Rande eines Dorfes. Von oben aus gesehen hat man einen fantastischen 360° Blick auf die umgebenen Bergketten und die Felder der Bauern. Kaum oben angekommen, haben wir auch schon den ersten Besucher, wie fast jeden Abend. Während uns der ältere Herr auf Farsi (persisch) den Mund fusselig redet und zuschaut, wie wir die Zelte aufschlagen, zieht ein Sturm heran. Keine Viertelstunde später beginnt das ganze Szenario. Der Herr rennt davon, und wir versuchen unser ganzes Hab und Gut in den Zelten zu sichern und schnell noch die Leinen zu spannen. Während uns Wind und Regen um die Ohren peitschen und wir panisch unsere Zelte festhalten, kommt plötzlich dieser Mann mit seinen zwei Töchtern zurück und serviert uns ein Tablett mit frischem Brot, Butter und selbstgemachter Marmelade.

Wir können es selbst kaum glauben, aber es ist tatsächlich wahr. Gemeinsam stehen wir nun draußen, lassen dieses kurzzeitige Unwetter über uns ergehen, bis sich urplötzlich die Sonne hinter dem Gipfeln zeigt und das Schlechtwetter davon zieht. Ein riesiger Regenbogen erscheint und die Landschaft leuchtet in fantastischen Farben. Wir genießen nicht nur das Essen, sondern auch den Moment, der uns wohl noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird.

So langsam nähern wir uns nun Esfahan, worauf wir uns schon riesig freuen. Hier tanken wir etwas Kraft auf und lassen ein paar Tage die Seele baumeln.

 

2 Kommentare

  1. Müller-Mönch

    30. April 2017 at 0:27

    Liebe Auf-Achse-Männer,
    es ist so erfreulich zu lesen und zu sehen, welch wunderbare Erlebnisse und Bekanntschaften euch widerfahren. Solch gastfreundliche und interessierte Menschen anderer Nationen kennen zu lernen ist bestimmt eine wunderbare und prägende Erfahrung. Wir freuen uns für euch über so viele Glücksmomente. Auf weitere wunderbare Begegnungen und viele tolle Menschen und Bekanntschaften. Bleibt schön gesund und gute Fahrt! Leo Müller und Familie!

  2. Sehr schöne Bilder!

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