II Städtetrip durch Persien

Endlich haben wir Esfahan erreicht, eine wirklich bezaubernde Stadt, mitten in der persischen Halbwüste. Von einem Freund haben wir zuvor einen guten Kontakt bekommen, für uns mal wieder ein absoluter Volltreffer. Pezhman und die Familie von Reza nehmen uns von ganzen Herzen auf und wir fühlen uns sofort pudelwohl. Am Rande der Innenstadt haben sie ein kleines Häuschen mit Hof, der mit Weinreben überdacht ist. Hier sitzen wir oft draußen, halten einen Plausch, trinken Tee und genießen gemeinsam die freie Zeit.

Wir werden oft eingeladen, so besuchen wir auch ein paar Freunde von Pezhman und zelebrieren unsere Ankunft mit selbstgebrannten Dattelschnaps und gegrillten Spießen. Im Laufe des Abends schwingen wir dann noch ordentlich das Tanzbein und machen anschließend einen Nachtspaziergang zur bekannten Sängerbrücke. Der Name ist Programm, hier wird gemeinsam gesungen, getrommelt, ein Picknick eingelegt oder einfach nur herumgelungert. Wir haben super Glück, denn der Zayandeh Rud führt Wasser, was in den heißen Monaten eher selten ist. Wir bestaunen die vielen Bögen der Brücke, die sich im Fluss widerspiegeln und für ein tolles Schimmern sorgen.

Esfahan ist eine grüne Perle mit vielen tollen Ecken. Ganz besonders angetan sind wir von dem riesigen Imam-Platz und die anliegende Imam-Moschee. Rund um dem Platz befinden sich die Geschäfte der Händler, die ihre Kupfer- und Porzellanwaren an den Mann bringen wollen. Geht man in den Innenbereich, ist man mitten auf dem Basar, der uns einmal ringsum führt. Vom Imam-Platz aus gelangt man dann auch in die riesige Moschee. Ein wahres Meisterwerk architektonischer Baukunst. Alles ist sehr detailreich mit Mosaiksteinen verziert, für unsere Augen ein Hochgenuss.

Wir lassen unsere Räder in Esfahan stehen und fahren ausnahmsweise mal mit dem Bus. Es geht weiter südlich nach Yazd. Die Stadt liegt am Rande der Wüste und ihre Umgebung ist relativ dünn besiedelt. Als wir aus dem Bus steigen, erschlägt uns zunächst die Affenhitze und wir ahnen, was uns in den kommenden Wochen erwarten wird. Yazd ist ein eher entspanntes Städtchen und nicht ganz so quirlig wie Esfahan. Hier wird ein Gang zurückgelegt und selbst am Abend, wenn alles auf den Beinen ist, geht es eher ruhig zur Sache. Die Altstadt besteht aus vielen kleinen Gassen, es gibt eine Menge Torbögen und Windtürme, die in den Häusern für Frischluft sorgen. Auf Grund der Wärme erscheint uns die Stadt ab Mittag wie ausgestorben. Wir genießen diese Ruhe, schauen uns die Sehenswürdigkeiten an oder faulenzen einfach nur herum.

Nach einer Woche Pause freuen wir uns nun wieder auf die Weiterfahrt, die uns durch das Zagros Gebirge führt. Die Landschaft wird zunehmend einsamer, rauer und trockener. Es hat kaum noch Grün und eine Menge Dornen-Gewächs. Auf der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz verlassen wir die Straße und schlagen querfeldein, wie so oft. Mit Gänsehaut-Feeling fahren wir in ein Gebiet, das uns an eine Mondlandschaft erinnert. Hier finden wir ein perfektes Plätzchen für unsere Zelte und die verdiente Feierabendruhe. Einige Tage lang kämpfen wir nun gegen böige Winde, die uns fast von der Straße pusten und zum Anhalten zwingen. Trotzdem machen wir auch an solchen Tagen im Schnitt unsere 80 – 90 km. Unser Energieträger ist das alltäglich selbst gemachte Morgenmüsli, Nüsse und Obst hat es hier reichlich.

Hinter Safashsahr fahren wir noch einen Pass, bevor es Richtung Shiraz nur noch bergab geht. Von Bergen umgeben eröffnet sich vor unseren Augen ein riesiges Tal reich an grünen Feldern, die mit Wasserkanälen bewässert werden. Es duftet nach angebauten Gemüse und die abendliche Sonne sorgt für die passende Lichtstimmung. An diesem Tag machen wir mal schlappe 130 km und erreichen Persepolis, die damalige Hauptstadt Persiens. Um den Trubel unzähliger Touristen zu umgehen, campen wir im danebenliegenden Park und statten der Anlage gleich am frühen Morgen einen Besuch ab. Doch weit gefehlt, bereits ab 8.00 Uhr morgens rollen die ersten Busse an. Wir sind flinken Fußes, bestaunen die zum Teil noch gut erhaltenen und unzähligen Reliefs auf den Steinblöcken der Ruinen und rollen dann weiter nach Shiraz.

Nicht nur die Sonne, sondern auch reger Verkehr bringen uns zum Schwitzen. Gegen Mittag zeigt unser Tacho bereits um die 50 °C. Hinzu kommt ein enormer Lärmpegel der vorbei donnernden LKW´s, ohne Mucke läuft da gar nix. Wir sind in Shiraz angekommen, einer Stadt zwischen Tradition und Moderne und wir befinden uns nun mitten in Persien. Hier erlebt man den Iran, wie er im Buche steht. Von Schrauberbuden, Goldgeschäften, Kupfer-, Teppich – und Textilläden über Gewürzshops und Fruchteisläden, gibt es hier wirklich alles. Die Händler kutschen ihren Ware mit Sackkarren durch die unzähligen Basare, die alle miteinander verknüpft sind. Das ganze Geflecht ist so groß, dass man sich darin verlaufen kann. Ein kunterbuntes und reges Treiben was hier herrscht, einfach nur grandios.

Nicht nur hier, sondern auch an vielen anderen Ecken, gibt es jeden Abend selbst gemachte Limonade for free – yummi -. Im Umkreis von Shiraz, soll es wohl auch die besten Zitronen des Landes geben und dies schmeckt man auch bei den eisgekühlten Getränken. Das direkt danebenliegende Shah – Cheragh Heiligtum haut uns regelrecht aus den Socken. Hier hatte der Architekt des Taj Mahal seine Finger im Spiel. In einer Bauzeit von rund 200 Jahren wurden Millionen von Mosaiksteinen wie ein Puzzle zusammengefügt. Sie dekorieren die Fassaden mit floralen Mustern und Versen in leuchtenden Farben.

Innerhalb kurzer Zeit, haben wir nun einen Drei-Städte-Marathon auf dem Buckel. Auch wenn wir uns auf diese tollen Städte gefreut haben, sind die Besuche zum Teil mit Stress verbunden. Nach einem Break in Trubel und Hektik, freuen wir uns immer wieder darauf, weiter zu rollen. So auch nun, wir verlassen Shiraz in Richtung Kerman und begeben uns auf eine einsame Fahrt durch die Dasht-e lut.

 

2 Kommentare

  1. thomas harre

    20. Mai 2017 at 23:31

    Danke für die tollen Reiseberichte, mit Spannung freue ich mich jedesmal wenn mein Posteingang euren newsletter mit neuen, spektakulären Bildern ankündigt! Ich wünsche euch alles alles Gute für den weiteren Verlauf eurer großartigen Reise.

  2. radler

    21. Mai 2017 at 8:19

    Hey Thomas,

    danke für dein Feedback, wir werden uns weiterhin mühe geben!

    Grüße aus der Dasht-e lut
    Silvio & Dominic

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