III Mit Plan B durch die Wüste

Wir haben Shiraz nun hinter uns gelassen und wollen weiter Richtung Wüste. Gleich hinter der Stadt erwartet uns endlich mal wieder Ruhe, wie wir sie schon lange nicht mehr hatten. Die Straße ist super ausgebaut, mit wenig Verkehr und sie führt uns an unzähligen Weinhängen entlang. Shiraz sein Wein soll wohl sehr bekannt sein, doch wo man ihn kaufen kann – wir wissen es nicht. Wir wollen zum Bakhtegansee, einem riesigen Salzsee und mit 350.000 Hektar der zweitgrößte des Landes. Wir spekulieren auf Flamingos, die den weiten Weg aus Russland auf sich nehmen, um dort zu überwintern. Doch als wir am See ankommen, ist das Wasser leider schon verdunstet, die Tiere sind bereits weg und wir stehen vor einer großen Salzwüste.

Am Rand des Sees bauen wir unsere Zelte auf und genießen die Stille einsamer Natur. Mit einem Schlag tauchen am Himmel düstere Wolken auf und aus einer leichten Brise Wind wird zunehmend ein Sturm. Von weitem sehen wir eine riesige Staubwolke auf uns zurollen, doch für einen Umzug ist es bereits zu spät. Wir kriechen in unsere Zelte und halten unser Hab und Gut so gut es geht fest. Regen, Sand und vor allem Salz peitschen um die Zelte. Silvio hat es ganz besonders erwischt. Um seinen Campingstuhl vorm Wegfliegen zu retten, hält er diesen im Vorzelt fest in seinen Händen, noch bevor er überhaupt alles schließen kann. Hinzu kommt, dass sein Zelt nicht in Windrichtung steht und er sich gleichermaßen um die Rückwand kümmern muss. Nach einer guten Stunde ist das Schauspiel wieder vorbei und das große Aufräumen angesagt. Das ganze Zelt ist verwüstet, die Räder und Taschen sind mit einer Salzkruste bedeckt. Auch wenn ein bisschen Angst mitgespielt hat, müssen wir hinterher doch etwas schmunzeln und sind um eine Erfahrung reicher. Am nächsten Tag bekommen die Räder eine Grundreinigung mit dem Hochdruckreiniger und die Zelte einen Schleudergang im Waschbecken eines Stadtparks und alles ist wieder tippi toppi.

Unsere Visa laufen bald ab und in zwei Wochen wollen wir in Mashhad sein. Somit nutzen wir nochmals den Bus bis nach Kerman, von wo aus wir dann in die Wüste starten. Wir stellen einen Plan auf, denn auf den knapp 900 km gibt es bis auf halber Strecke wenig Ortschaften. Es muss genügend Wasser her, aber auch Nahrung. So stocken wir auf dem tollen Basar in Kerman unsere Vorräte mit Datteln, Nüssen, Rosinen usw. auf. Für unsere Planung sprechen wir mit Einheimischen, nutzen Maps oder das Roadbook von einem Radler, der die Strecke bereits vor zehn Jahren gefahren ist. In diesem ist alles genauestens detailliert, von Wasserstellen, Shops, Tankstellen bis hin zu Höhen- und Kilometerangaben. Für uns ein großer Vorteil und wir sind sehr dankbar, dass er uns diese Infos zur Verfügung stellt. Zwischen Kerman und Ravar, geht es für uns noch mal ordentlich in die Höhe. Wir fahren zwei Pässe auf rund 2400 m und rasseln dann durch eine faszinierende Berglandschaft. Hier finden wir den perfekten Spot zum Zelten und zum Genießen des Sonnenuntergangs mit dem Anblick der bunt leuchtenden Berge.

Wir lassen das Gebirge nun hinter uns und rollen in eine endlos weite Wüste. Tagsüber ist es mittlerweile brutal heiß und das Thermometer klettert auf über 50 °C. Auch Nachts fallen die Temperaturen nicht unter 25 °C, so dass wir kaum zum Schlafen kommen. Hinzu kommt ein Gegenwind, ähnlich einem Heißluftgerät, der das Fahren für uns fast unmöglich macht. Wir ändern deshalb unsere Fahrzeiten, stehen 5.00 Uhr morgens auf und fahren bis Mittag den größten Teil der Tagesstrecke, sodass wir nachmittags nur noch einige Kilometer zu kurbeln haben. Unter dem Dach einer Moschee finden wir für einige Stunden Schatten und auch Wasser, mit dem wir uns gelegentlich etwas abduschen. So hangeln wir uns von Moschee zu Moschee, in der Hoffnung dort unser Wasser zu bekommen.

Leider ist das Roadbook nicht mehr aktuell und die Moscheen führen zum Teil kein Wasser mehr. Unser Plan geht nicht richtig auf und wir müssen zusehen, wie wir an unsere Wasservorräte kommen. An einem qualvollen Nachmittag und mit einer letzten Pfütze in der Flasche, pausieren wir an einem Betonboller, der uns vor dem heißen Wind schützt. Plötzlich hält ein Auto an und man mag es kaum glauben, wir bekommen eine halbe Wassermelone, eiskalte Coca Cola, Multisaft, Wasser und Kekse geschenkt. Unsere Freude ist riesig und das Zeugs geht runter wie Öl. An der nächsten Moschee, gibt es auch wieder kein Wasser und langsam beginnen wir daran zu zweifeln, ob wir die Strecke so überhaupt schaffen. Gott sei Dank pausieren hier zwei LKW-Fahrer und wir bekommen so viel Wasser, dass wir damit bis zum nächsten Laden fahren können.

Am Tag darauf ist die Hitze und der heiße Gegenwind so heftig, dass wir für 40 km um die vier Stunden brauchen und sich die letzten Kilometer bis zum nächsten Shop wie ein zähes Gummiband ziehen. Die Anstrengungen sind echt enorm. Völlig ausgelaugt erreichen wir endlich die Ortschaft Neybandan. Hier gibt es die wohlverdiente Pause mit eiskalten Getränken und einem riesen Berg Reis mit Hühnchen. Während dessen ändern wir unseren Plan und beschließen mit einem LKW bis nach Ferdows zu trampen. Wir ersparen uns 250 heiße Wüstenkilometer, denn während der Fahrt wird klar, es gibt hier fast keine Ortschaften. So machen wir einige Tage gut und müssen nach hinten raus nicht ganz so viele Kilometer fahren.

Hinter Ferdows wird die Wüste wieder zur Halbwüste und es ist alles etwas dichter besiedelt. Um Wasser und Nahrung brauchen wir uns nun also keine Gedanken mehr machen. Wir rollen an Pistazien Plantagen entlang und nehmen kurz vor Mashhad nochmals einen letzten Pass in Angriff, bevor es dann in die zweitgrößte Stadt des Landes geht. Wir haben eine Kontaktadresse mitten im Zentrum der Stadt und lassen uns dort für einige Tage nieder. Ruhe ist angesagt, denn die letzten Tage waren kräfteraubend und wir sind ziemlich ausgepowert. Einen Tag nach Ankunft haut es uns regelrecht aus den Socken und der Magen spielt verrückt. Der Spuck ist aber nur von kurzer Dauer und wir sind wieder relativ flink auf den Beinen. So nutzen wir die Zeit für einige Erledigungen, organisieren ein weiteres Visum und nehmen uns pünktlich zum Ramadan das Heiligtum des Imam Reza unter die Lupe. Tausende Pilger strömen zu diesem heiligen Zentrum und wir sind völlig überwältigt von dieser tollen Atmosphäre.

Knapp zwei Monate waren wir hier unterwegs, sind 3000 km quer durchs Land gefahren, haben beeindruckende Landschaften gesehen und tolle Menschen kennengelernt. Wir waren Gast bei zahlreichen Familien, wurden mit einer Herzlichkeit und Gastfreundschaft aufgenommen, wie man sie nur selten erlebt. Allen Gastgebern sei gesagt, ihr habt uns nach Strich und Faden verwöhnt, weitergeholfen, beschenkt und uns interessante Einblicke gegeben – dafür sagen wir tausend mal Danke! Iran ist ein wunderschönes Reiseland, was wir nur jedem wärmstens ans Herz legen können.

 

5 Kommentare

  1. Schön, wieder von euch zu hören, und dass ihr das trotz allem gut überstanden habt. Passt auf euch auf. Liebe Grüße Marina

    • radler

      29. Mai 2017 at 6:15

      Liebe Marina,
      man findet für fast alles eine Lösung!
      Uns geht es gut, es lauft wie am Schnürchen

      Grüße ans Team

  2. hej kerri,
    hehe und ich dachte schon hier ist es warm.. bin grad in Taiwan bei 32°C.
    mannOmann da kommt jeder ins schwitzen beim lesen.
    da wünsch ich euch noch ’ne gute reise und hier und da ’ne klimaanlage.
    haut rein!
    Dan

    • radler

      29. Mai 2017 at 6:11

      Hey Dan,
      klimatisierte Zimmer sind Luxus für uns, wir haben ein Zimmer mit ohne alles 🙂
      Den Wetterprognosen zu folge, soll es die Tage auch noch wärmer werden, hurra

      Beste Grüße

      • hej kerri,
        was mir grad einfällt, auf eurer seite fehlt eine grobe karte mit start zu ziel. ich denke wie auf einer vereinfachten weltkarte wär gut. man sieht wo ihr seid und vielleicht wieviel schon gespendet wurde. sorry ist nur ne idee 😉 dachte könnte das spendenprojekt ankurbeln.
        bei uns war heut regen ohne ende, das genze erdgeschoß ist vollgelaufen, drei stunden mit eimern alles wieder nach draußen schaufeln.. vielleicht kühlt euch das ein wenig ab. gute fahrt!
        da-raenk

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