Thailand – Tempel, Schweiß und Grillenzirps

READY FOR TAKE OFF und ab nach Bangkok! Unsere Vorfreude ist kaum zu bremsen, denn die Berge liegen nun hinter und das Meer endlich vor uns. So steigen wir in Almaty bestens gelaunt in den Flieger und Maxim (Silvios Sitznachbar), hat bereits angeschnallt Quartier eingenommen. Nach einer kurzen Stippvisite gibt’s auch schon das erste Schnäpschen, denn der liebe Herr hat Flugangst und sein Cognac aus dem duty free möchte selbstverständlich geköpft werden. Nach zwei drei Runden innerhalb kürzester Zeit – er ist Kasache – lehnen wir dankend ab. Nüchtern erreichen wir sieben Stunden später Bangkok. Wir nehmen die Räder im 1A Zustand entgegen und bereits beim Aufbau tropft die Suppe im Dauerlauf. An die tropischen Temperaturen müssen wir uns erstmal gewöhnen. So verlassen wir ganz langsam das Flughafengelände und machen uns zum ersten Mal mit dem Linksverkehr vertraut. Wir peilen einen kleinen Vorort von Bangkok an, denn wir haben die Stadt bereits schon mal besucht und wollen das Verkehrschaos eher umgehen…erstmal in Ruhe ankommen.

Nach einem ersten Kaffee-Stopp mit typischem Thailächeln ON THE ROAD – hundesüß das Zeugs, aber köstlich – geht’s – zu unserer Überraschung – bei recht angenehmen Verkehr zur Unterkunft. Ein Häuschen mit schnieke Wohnküche, Balkon und vielen kleinen Details scheint der perfekte Ort dafür zu sein. Es ist sehr ruhig hier, fast schon wie auf dem Dorf. Gleich um die Ecke gibt es dutzende Garküchen – yummi – und es dauert auch nicht lang, bis wir den ersten Pad Thai Teller vor der Nase haben. Endlich mal wieder richtig Nudeln und überhaupt, die Auswahl ist riesig. Nach Routenplanung, Thaimassage und reichlich Entspannung geht es zwei Tage später auch schon raus hier. Viele Möglichkeiten diese Metropole so entspannt es geht zu verlassen, gibt es aber nicht. So hangeln wir uns – dank Navi – durch kleinere Straßen zum Chao Praya Fluss. Wir schippern mit der Fähre auf die andere Seite und siehe da, ein erster Radweg und das allerfeinster Sorte. Nach einigen Kilometern nimmt dieser dann aber sein Ende und es geht auf den großen Straßen weiter. Trotz reichlich Verkehr und all den Szenarien auf kirgisischen Straßen, geht es hier vergleichsweise harmlos zu.

Es gibt großzügige Seitenstreifen – mit blinkend entgegenkommenden Mopedfahrern – zum Wohlfühlradeln. So brauchen wir anderthalb Tage, bis wir das Ballungsgebiet hinter uns lassen und endlich auf den kleinen Straßen weiterfahren. Erste Mangrovenwälder, Tümpel und Teiche erblicken die Augen. Wir biegen querfeldein und entdecken wenig später am Fluss liegend ein kleines Resort. Mit einem Chang in der Hand, sitzen wir beim Sonnenuntergang auf der Veranda und lauschen den buddistischen Klängen vom gegenüberliegendem Tempel zu. Das ist Thailand, wie wir es kennen und lieben. In den darauffolgenden Tagen geht es an unzähligen künstlich angelegten Salzbecken und Shrimps Zuchtfarmen entlang und wenig später landen wir am Cha Am Beach. Zugegeben, wir haben etwas anderes erwartet. Der Strand gleicht dem Ballermann. Klappstuhl und Sonnenschirm stehen in Reihe und Glied, der Bass wummert aus den Boxen und wir irgendwo mitten drin. Für uns kein Wohlfühlort, haben wir dennoch Glück, denn es ist OFF SEASON und es hat – Gott sei Dank – nur wenige Langnasen hier. Für eine Nacht ist das Zimmer gefunden und so schnell wir reingekommen sind, tingeln wir tags später auch wieder raus.

Richtung Süden geht es weiter, immer am thailändischen Golf entlang. Hinter Hua Hin dann sogar auf einem zweispurigen Fahrradweg mit – siehe da -Straßenbeleuchtung, da können wir uns eine Scheibe von abschneiden. Kleine ruhige Straßen führen uns an ersten Ananasfeldern entlang. Die süßen Dinger gibt es portionsweise am Stiel und eisgekühlt am Straßenrand zu kaufen. So pushen wir unseren Zuckerhaushalt bei tropischen Backofentemperaturen nach oben. Dann gibt es noch diese Seven-Eleven Shops, kleine Supermärkte in fast jedem größeren Ort. Kakao, Kaffee und Co mit oder ohne Eiswürfel – zum selbst auftanken versteht sich -. Abgepackte Sandwiches in allen möglichen Varianten, werden direkt hinter der Kasse im Sandwich-Maker zubereitet. Ohne einen Stopp kommen wir hier selten vorbei. Erste dichte Kokosplantagen machen sich breit, mittendrin immer mal ein Dorf oder einzelne Häuser, wodurch dann traumhaft schmale Straßen führen. Hier blüht unser Radfahrerherz so richtig auf. Hinzu kommen noch Chilifelder, die kleinen roten und grünen Scharfmacher machen die oder andere Thaispeise zum richtigen Dauerbrenner. Viele kleinen Garküchen, die man überall findet, lassen unseren Kocher pausieren. Wir ernähren uns eigentlich nur noch auf der Straße. Immer wieder köstlich, sind diese mit Bananen gefüllten Eierkuchen mit extra Portion Kondensmilch und Zucker oben drauf, zum reinschlingen und eine absolute Bombe.

Mittendrin kommt dieser Tag, an dem wir nicht nur unsere 10000 km knacken, sondern Silvio auch noch von einer Pannenserie begleitet wird. Nach ein, zwei, drei und schließlich den vierten Plattreifen, hat er den Ranzen voll. Die Teile – die sich Flicken nennen -, wollen einfach nicht halten. Auf den letzten 10 km vorm Tagesziel, pumpt er quasi nach jedem gefahrenen Kilometer wieder auf. Auch am Morgen darauf, als er den Schlauch erneut flicken möchte, halten diese kleinen Teile einfach nicht, der Kleber scheint für die Katz zu sein. Doch an diesem Tag haben wir einen kleinen Engel an unserer Seite und finden ausgerechnet hier einen Fahrradladen, wo wir uns erstmal eindecken. Das Rad macht wieder das, was es soll und so rollen wir gegen Abend in einem kleinen Fischerdörfchen ein.

Der Anblick haut uns aus den Socken, eine schöne lange Bucht, ein, zwei kleine Shops mit dem Nötigsten und ein paar Möglichkeiten, um unseren Hunger zu stillen, was brauchen wir mehr. Also parken wir die Räder ab und verweilen hier ein Weilchen. Der Blick auf die Bucht ist fantastisch, die Fischerboote schaukeln im Wasser hin und her und die Wellen rollen ganz seicht daher. Hier lässt es sich aushalten und die Strampelwaden haben eine kleine Auszeit. Unsere Gastgeberin und ihre Freunde zocken täglich vom Nachmittag bis in den Abend hinein Karten und die Musik vom Handy plätschert so dahin. Hier erleben wir genau das, wonach man sich bei uns so oft sehnt…ganz viel Ruhe und Gelassenheit. In Badehose und barfuß geht man in den Einkaufsladen, der Hund liegt glotzend vor dem Fernseher und das Spielzeug der Kinder verstreut im Laden herum, hach…das Leben kann so schön sein! Am Abend, nach dem die Sonne untergeht (immer so gegen sechs), wird es schnell ruhig um uns. Die Leute gehen zeitig zu Bett und wir sitzen noch draußen, hören den Grillen beim Zirpsen zu und vertreiben uns die Zeit mit irgendwelchen Dingen.

Aufgetankt steuern wir Chomphon an, wo wir unsere Visa um 30 Tage verlängern lassen. Dummerweise haben wir uns vorher nicht richtig schlau gemacht. Als der Herr dann sagte „3800 bhat please“ (ca.100 Takken), fällt uns erstmal die Kinnlade runter. Damit haben wir nicht gerechnet, aber so sind die Dinge nun mal und wir wollen mit viel Zeit im Nacken weiter durch´s Land rollen, also was soll´s. So geht unsere Spazierfahrt von der Ostküste Thailands nun an die Westküste. Wir wählen dabei den kürzesten Weg, einmal quer durch den tropischen Dschungel. Die Pflanzenwelt ist einzigartig und eine absolute Augenweide. Die kleinen grünen Dinger, die wir aus dem Baumarkt kennen und meist nach ein paar Wochen in den Eimer werfen, weil sie uns eingehen, stehen hier im XXL Format und in allen möglichen Grüntönen. Hinzu kommt die hohe Luftfeuchtigkeit, die sich deutlich bemerkbar macht. Auf dem Fahrrad fühlt man sich wie ein Schwamm, der alles aufsaugt. Kleidung waschen oder wechseln macht kaum Sinn und so fahren wir tagelang in gleich stinkender Klamotte. Unsere Zelte haben seit Kasachstan auch kein Tageslicht mehr gesehen, denn die Hitze darin würde uns den Schlaf rauben. So quartieren wir uns gegen Abend immer irgendwo ein, dass Budget gibt’s jedenfalls her.

Auf unserem Weg, sehen wir immer wieder diese kleinen oder auch großen Tempel. Entweder als Schrein (in Miniaturformat), die in fast jedem Vorgarten der Thais stehen, mal im Wald versteckt, mal auf einem Berg oder halt direkt am Straßenrand. Einige sind weniger schön, andere dafür um so mehr. Irgendwann funkelt´s durch die Bäume. Auf einem Berg stehend, strahlt uns eine große goldene Stupa an. Schweißtreibend kraxeln wir zum Tempel hinauf und bestaunen die kleinen und großen Kunstwerke, die sich leider noch im Bau befinden. Wir stehen auf der obersten Etage einer Pagode und haben einen grandiosen Ausblick auf den umliegenden Dschungel.

In Ranong haben wir dann die andere Seite und somit auch die Andamanen See erreicht. Im Hafen sitzend gibt es nach langer Zeit mal wieder einen Sonnenuntergang mit tollem Farbspiel auf unsere Pupillen. Eigentlich ist auf dieser Seite gerade Monsunzeit, doch davon merken wir nur wenig. Hin und wieder plätschern ein paar warme Tropen vom Himmel, aber von Bindfäden ist keine Rede. Für uns eine willkommene Abwechslung in dieser Tropenhitze. So langsam aber macht uns das Wetter doch zu schaffen und es wird Zeit für ein paar Tage Pause. Nach Khao Lak ist es nicht mehr weit, also buchen wir uns kurzerhand ein paar Nächte in einem schönen Resort mit allem PIPAPO.

Den goldenen Strand erreicht, geht’s erstmal ins „kühle“ Nass und ein erster Wellentest steht an. Die Dinger sind echt riesig und der Spaßfaktor vom feinsten. Gebadet wird, bis die Haut sich schrumpelt oder der Durst uns aus dem Salzwasser treibt. Seit einer Ewigkeit wird mal wieder so richtig ausgedehnt gefrühstückt -am Strand versteht sich- und der Kellner sorgt mit Pfeifen und lustig Gesang für gute Laune am Morgen. Hier ist es traumhaft schön! Der Körper bekommt eine Ölmassage verpasst, außerdem eine doppelte Ration Schlaf und unsere „dicken Waden“ einen break. Wir fühlen uns mal wie richtige Touristen und genießen diesen Luxus sehr.

Fit wie Turnschuh, geht es nach einigen Tagen für uns weiter, mit Kurs auf den Khao Sok Nationalpark. Die Fahrt führt durch üppige Wälder, mit zum Teil recht knackigen Anstiegen. Wir kommen uns vor in der Sauna, der Schweiß plätschert aus jeder noch so kleinen Pore und unser Wasserverbrauch ist enorm. Auf dem Weg gibt es immer wieder ein Dschungelkonzert auf die Ohren. Die Tiere begleiten uns mit einem Dauerzirpsen und Pieptönen in allen Tonlagen. Kurz vor dem Nationalpark machen wir Rast an einem Aussichtspunkt. Wir schauen auf ein großes Tal mit dicht bewachsenen und steil herausragenden Kalksteinfelsen, die auf den nächsten 80 km immer wieder unseren Weg säumen. In Khao Sok angekommen, lockt die Touristenfalle mit Ausflugsangeboten zu Wucherpreisen, auf die wir uns aber nicht einlassen wollen. So streifen stattdessen den Park und machen lieber unser eigenes Ding.

Nach einigen Tagen durch´s Landesinnere mit sattem Grün, sind wir nun wieder am thailändische Golf und bewegen uns so langsam weiter nach Süden Richtung Grenzübergang. Irgendwann schlagen wir am Strand endlich mal wieder die Zelte auf, und am nächsten Morgen wird Dominic Opfer eines dreisten Diebes. Während er sich im Meer wach schwimmt, macht sich ein Hund über sein Handtuch her und pirscht samt Beute davon. Knüppelbewaffnet rennt Silvio noch hinterher, aber der Hund ist schneller und verschwindet im dichten Gestrüpp. Ja so ist das und überhaupt, was auf so einer Reise alles kaputt geht, gestohlen oder verbummelt wird…eine NEVER ENDING STORY.

Ja, und so langsam sind wir auch schon an der Südspitze Thailands angelangt. 1600 km querfeldein und voller Exotik. Nicht nur das tolle Essen, viel mehr noch die immer lächelnden Thais vermissen wir jetzt schon. Wir hatten eine super schöne, vor allem aber entspannte Zeit hier, davon können wir garantiert noch eine Weile zehren. Und wer weiß, vielleicht sieht man sich bald auch schon wieder.

6 Kommentare

  1. Warnecke Brisca

    23. September 2017 at 19:00

    Hallöchen sehr schöne Bilder , macht Spaß zu lesen -;) ……Grüße und viel Glück noch Leon und wir

    • radler

      25. September 2017 at 9:00

      Danke ihr Lieben!

    • Hallo Dominic , wir freuen uns wenn du bald zurück kommst.
      Deine Bilder und Texte sind sehr spannend.
      Deine Seite ist sehr spannend.
      Hoffentlich kommst du gesund in denn Hort zurück,
      leider bin ich nicht mehr da ;(
      Aber ich komme den Hort besuchen, wenn du wider da bist. Ich wünsche
      dir viel Glück.;)
      Liebe Grüße Lillian

      • radler

        11. Oktober 2017 at 11:21

        Danke liebe Lillian, da freu ich mich sehr drauf! Immer schön am Ball bleiben und viel Spaß dabei 🙂

        Grüße aus Malaysia

  2. Miss U Guys … Hope you’re doing well. Regards, Pezhman.

    • radler

      11. Oktober 2017 at 11:25

      Yeahhh man, we miss you too!
      The trip is fantastic and everyday a new adventure.
      We really enjoy it 🙂

      Regards to you and Rezas family

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