Nepal – Halbzeit mit Seifenblasen

Nach neun Monaten im Sattel und etlichen Kilometern auf dem Tacho haben wir nun unsere Halbzeit erreicht und sind von Malaysia nach Nepal geflogen. Auch wenn wir hin und wieder diesen Weg wählen – weil es zum Teil auch nicht anders möglich ist -, sind wir ziemlich stolz auf uns und freuen uns riesig auf die kommenden Monate. Es gibt einen guten Grund, warum wir uns dieses Land ausgesucht haben. Wir wollen nicht nur unsere nepalesischen Freunde treffen, sondern der Hilfsorganisation Back-to-Life einen Besuch abstatten. Mit unserer Radreise und vor allem mit Euch, möchten wir Geldspenden sammeln. Die Gesamtsumme soll am Ende in ein Schulprojekt der Organisation fließen. Wir haben nun also die Chance etwas einzutauchen und einen kleinen Einblick in die eigentliche Projektarbeit von Back-to-Life zu bekommen. Darüber freuen wir uns sehr und sind gespannt darauf! Also anschnallen und zurücklehnen, denn dieser Bericht wird etwas länger als sonst. In Kathmandu also angekommen, nimmt uns Mr. Thapa (ein liebenswerter Mitarbeiter der Organisation) mit einem herzlichen NAMASTE in Empfang und kümmert sich ganz rührend um uns. Schnell noch die Räder auf den Dachgepäckträger des Minibusses geschnallt, rattern wir gemeinsam zum Hauptbüro nördlich der Stadt.

Allein schon die Fahrt ist ein Erlebnis, wir sind mitten drin und endlich wieder in Nepal. Im Office angekommen, gibt es zur Begrüßung lecker Momos (gefüllte Teigtaschen) – was sonst – und ein kühles Getränk. Man zeigt uns das Gebäude und wir lernen uns etwas näher kennen. Nachdem wir einen Termin für die nächsten Tage vereinbart haben, machen wir die Räder startklar, denn die Sonne ist bereits am Untergehen. Eigentlich war es nicht unsere Absicht uns im Dunkeln durch den Großstadtdschungel zu wühlen, aber wir müssen ins Hotel, ob wir wollen oder nicht. Somit machen wir unsere ersten Kilometer in Nepal mitten in der Dunkelheit und das auch noch während der Rushhour. Ehrlich Leute, das ist kein Zuckerschlecken. Lärm, Staub, ramponierte Straßen, Auto-Rikscha-Rad-und Mopedfahrer quasi von allen Seiten. Hinzu kommt ein höllischer Lärm, der das Ganze nicht einfacher macht. Beim Radfahren ist also volle Konzentration angesagt. Im Hotel angekommen, sind wir heilfroh diesen Tag geschafft zu haben und haken ihn mit einem wohlverdienten kühlen Bierchen ab.

Am Morgen darauf geht der Spaß dann von vorne los. Mit dem Radl stürzen wir uns ins quirlige Getümmel, fahren Richtung Botschaft und erledigen die Visaangelegenheiten fürs nächste Land. Die Bearbeitungszeit dauert allerdings zehn lange Tage, denn es sind Feiertage und an diesen herrscht Ruhe in den Büros. Wir sind mitten im Diwali (Lichterfest), ein bedeutendes mehrtägiges hinduistisches Fest und ähnlich wie Weihnachten bei uns. Die Straßen und Häuser sind mit Fähnchen, Wimpel- und Lichterketten geschmückt. Vor den Eingängen der Wohnhäuser und Geschäfte werden am Abend die Kerzen gezündet. Überall duftet es nach Räucherstäbchen und die Wege sind mit bunten Blüten und Mandalas, welche mit Farbpulver gestreut werden, verziert. Eines ist schöner als das Andere und ein Genuss für unsere Augen. Die Kinder ziehen singend von Haus zu Haus und sammeln Geld. Überall wird fröhlich und ausgiebig gesungen und getanzt. Am letzten Tag dieses Festes (Bruder-Schwestern-Tag), segnen sich die Geschwister mit einem Licht und versprechen beide, sich gegenseitig zu beschützen. Es wirklich tolles Fest, welches uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Wir waren schon einige Male in dieser Stadt, kennen die berühmten Plätze wie unsere Westentasche und dennoch statten wir einigen einen erneuten Besuch ab. Immer wieder schön ist beispielsweise Swayambhunath (auch Affentempel genannt), ein riesiger Tempelkomplex, der auf einem Hügel steht. Eine der bedeutensten Stupas Kathmandus, hat hier ihren Platz eingenommen. Nicht nur die zahlreichen Touristen tummeln sich dort, sondern auch unzählige Affen, die hier ihr Zuhause haben. Von oben hat man einen grandiosen Ausblick auf das Tal und wir können nur erahnen, wie schön es hier gewesen sein muss, bevor diese riesige Stadt nach und nach entstanden ist. Auf der anderen Seite des Hügels suchen wir uns ein gemütliches Plätzchen und beobachten die im Wind wehenden Gebetsfahnen, die auf uns eine unglaubliche Ruhe ausstrahlen.

Kathmandu ist nicht nur die Hauptstadt, sondern auch Ausgangsort für Trekkingtouristen aus aller Welt. Von hier aus geht es in die hohen Berge des Himalaya. Die Stadt gilt als Dreh- und Angelpunkt für das gesamte Land und man kann sie kaum in Worte fassen. Es ist laut, bunt und chaotisch zugleich. Hier vereinen sich viele religiöse Völker friedlich miteinander. Immer wieder entdeckt man kleine Schreine, Tempel oder Stupas, an denen die Gläubigen ihre Rituale halten und ihre Teelichter oder Räucherstäbchen zünden. Oft sind es diese Orte, an denen wir unsere Ruhe finden und mit einem Tee in der Hand das Treiben der Menschen beobachten. Eine wirklich unglaubliche Metropole, die es weltweit wohl nur einmal gibt.

Nun ist es aber an der Zeit, dem Trubel und der Hektik etwas zu entfliehen und mit Back-to-Life auf Tour zu gehen. Mit einem kleinen Team treffen wir uns also im Büro und besprechen dort den Ablauf der kommenden zwei Tage. Mr. Thapa hat sich bereits in Schale geworfen und ein köstliches Mittagessen gekocht. Danach geht der Trip auch schon los. Unser Ziel ist Nuwakot, ein District 75 km nördlich der Hauptstadt, welcher bei dem letzten starken Erdbeben im April 2015 am schwersten getroffen wurde. Kurz darauf hat sich Back-to-Life zum Ziel gesetzt, in dieser Region Soforthilfe zu leisten und dringend benötigte Schulen wieder neu aufzubauen. Der Weg dorthin ist sehr beschwerlich, die Straße ist im Grunde genommen nur eine einzige Schotter-und Staubpiste. Wir brauchen also mehrere Stunden, um überhaupt in das Gebiet zu gelangen.

Viele Häuser hat es hier zerstört, darunter auch unzählige Schulen. Einige wurden von den Behörden provisorisch wiederaufgebaut, damit die Kinder weiterhin zum Unterricht gehen können. Eine dieser improvisierten Schulen steht in der Umgebung von Belkot. Sie besteht einzig aus Wellblech und Holz, und man mag sich nicht ausmalen, wie die Kinder hier überhaupt lernen können. Die Gemeinde würde die Schule gern wieder neu aufbauen, benötigt aber finanzielle Unterstützung und bewirbt sich dafür bei Back-to-Life. Die Mitarbeiter der Organisation begutachten also im Vorfeld die Bedingungen vor Ort, halten Gespräche mit den Einheimischen und dokumentieren alles. Danach wird geschaut wie es weitergeht, ob gebaut wird oder nicht und wie das Ganze finanziert werden kann. Wie die Zukunft für diese Schule aussieht, wird sich also in den kommenden Monaten zeigen.

Dann geht es weiter für uns. Die Dämmerung hat bereits eingesetzt. Immer wieder fahren wir steile, sandige oder schlammige Passagen und wir werden dabei ordentlich durch den „Kakao“ gezogen. Müde und erschöpft erreichen wir dann am späten Abend Batar Bazar. Hier befindet sich jenes Büro, von wo aus die Arbeiten für diese Region gesteuert werden. Mr. Dhakal (Projekt- Direktor) lässt uns via Bild- und Videomaterial Einblick in die vielen doch so unterschiedlichen Projekte gewähren. Die Geburtshäuser in Mugu, die Schulen in Chitwan, Healthcamps, Solar-und Wasserprojekte sind nur einige von vielen weiteren tollen Projekten, für die sich Back-to-Life in Nepal bestens einsetzt. Nach einem Abend in gemütlicher Runde und einer erholsamen Nacht im Büro, schlagen wir am nächsten Morgen zeitig auf und fahren als erstes in die frisch eingeweihte Sundara Grundschule in Chainpur. Die Kinder sind noch nicht da, denn der Unterricht beginnt erst um 10.00 Uhr. So schauen wir uns die Schule in Ruhe an und rollen dann auch schon weiter.

Es geht in das abgelegene Bergdorf Bhaduwar, in dem die Dakshinkali Grundschule kurz vor ihrer Einweihung steht. Die „Straße“ ist ebenfalls im schlechten Zustand und wir können nur erahnen, wie schwierig und zeitaufwändig der Transport all der benötigten Baumaterialien wohl sein muss. Angefangen von Zement, Wellblechdächern, Moniereisen, Wasserrohren, bis hin zu Schulmöbeln um nur einiges zu nennen, eine wahre Meisterleistung! Die Schule liegt so weit oben, dass wir für den Hin-und Rückweg einige Stunden im Auto verbringen. Für den Hintern gibt es eine kurze Pause und wir machen Rast auf einem Plateau, welches von einer herrlichen Landschaft umgeben ist. Reisterrassen weit und breit, ein wirklich wunderschöner und friedlicher Ort. Von hier aus richtet sich unser Blick auf einen Hang, von dem aus man die gelbleuchtende Schule sieht. Das Team erzählt uns, dass in diesem Ort vor dem Beben ca. achtzig Wohnhäuser standen, von denen nur fünf übriggeblieben sind. Das Dorf wurde quasi vom Erdboden verschluckt.

Oben angekommen sind wir überwältigt von dem was wir sehen. Man zeigt uns die zahlreichen, solide gebauten Wasserstellen im Dorf, eine weitere Mammutaufgabe der Organisation.Von einer Quelle drei Kilometer weiter oben wurden Gräben durch schwierigstes Gelände gebuddelt und endlos lange Leitungen gelegt. Zuvor mussten die Menschen einen weiten, zeitaufwendigen und beschwerlichen Weg auf sich nehmen, um an frisches Wasser zu gelangen. Nun gibt es elf Wasserstellen in der Umgebung und die Menschen haben einen schnellen Zugang zu sauberen Wasser. Anschließend gehen wir in die alte Schule, wo die Kinder bis zur Fertigstellung der Neuen – es dauert nicht mehr lang – unterrichtet werden. Es ist dunkel, staubig, kaum Platz und nur notdürftig eingerichtet. Hier sieht man ganz klar, unter welchen Bedingungen die Kleinen lernen müssen. Die Kinder aber sind happy, dass wir da sind und sie uns nun das neue Gebäude zeigen können.

Die Schule steht auf solidem Fundament und ist erdbebensicher gebaut – so wie alle anderen Schulen übrigens auch -. Im gleichen Stil erstrahlen sie innen als auch außen in freundlichen Farbtönen. Die großzügigen Klassenräume sind mit Schulbänken und zum Teil mit Filzteppichen für die kalten Wintermonate ausgestattet. Die Räume haben lichtdurchlässige Fieberglasfenster und stabile Holztüren. Es gibt große Tafeln und Sitzkissen, damit der Unterricht auch mal auf dem Boden stattfinden kann. Für Jungs und Mädchen werden zum jetzigen Zeitpunkt noch die Toiletten mit Wasserzugang gebaut. In einigen Wochen werden diese auch fertig sein. Die Kinder tragen Schuluniformen, die eigens für sie angefertigt werden. Es ist schön anzusehen, wie zufrieden und glücklich sie in den sauberen Räumen sitzen und lernen dürfen.

Am Ende unseres Besuches haben wir uns für die Kids eine kleine Überraschung einfallen lassen, und statt Süßigkeiten gibt es Riesenseifenblasen. Die Kinder springen fröhlich im Kreis und ihre Augen strahlen vor Freude. Fünf Liter Lauge sorgen für einige Stunden Spaß und nach unserer Abfahrt sehen wir die Knirpse noch von weitem herumspringen. Unserer kleine Reise, rundet das Team mit einem lecker typisch nepalesischem Dhal Bhat (Reis und Linsengemüse) und einen Ausflug zum Königspalast von Nuwakot ab. Für uns war es eine interessante Erfahrung und wir sind dem Team sehr dankbar, diese tolle Gelegenheit bekommen zu haben. Hochachtungsvoll ziehen wir den Hut für all das Vollbrachte! Nun liegt es also an Euch, unsere Spendensumme noch etwas in die Höhe zu treiben, damit wir am Ende eine stolze Summe zusammen bekommen. Alle Infos dazu findet ihr auf unserer Seite unter „Spendenprojekt“.

Zurück zum Radfahren, denn die Visa sind fertig und wir können Kathmandu endlich den Rücken kehren. Die Stadt macht einen auf Dauer ganz schön kirre. So fahren wir ins 20 km entfernte Bhaktapur, eine der drei alten Königsstätte im Kathmandutal. Hier geht es wesentlich ruhiger und gelassener zu. In den Gassen der Stadt sind die Bauern mit der Reisernte und Töpfer als auch Schmiede mit ihrem Kunsthandwerk beschäftigt. Viele Wohnhäuser sind klein gebaut, sehr alt und mit wunderschönen Holzreliefs verziert. Wir spazieren durch die unzähligen Gassen und entdecken dabei immer wieder kleine Hinterhöfe, alte Tempel und Pagoden. Leider hat das Erdbeben auch hier zahlreiche Schäden verursacht. Dutzende Häuser, darunter auch historische Baudenkmäler, sind auch hier wie Kartenhäuser in sich zusammengefallen und haben das Stadtbild zum Teil verändert. Einige Häuser haben nun Stützbalken, Andere liegen noch immer zusammen gefallen da. An allen Ecken wird gebuddelt und gebaut und es wird wohl noch Jahre dauern, bis alles wiederaufgebaut ist.

Am Abend treffen wir noch Alice, eine englische Radfahrerin, die wir zwei Monate zuvor schon in Thailand – wie klein doch die Welt ist – getroffen haben. Die Freude ist riesig und so sitzen wir am Abend gemeinsam mit einem kleinen Tropfen auf der Nyatapola Pagode am Taumadhi Platz und genießen einfach nur das Dasein. Tags drauf verlassen wir dieses tolle und entspannte Fleckchen Erde und fahren weiter hoch in die Berge. Hier in Nepal gibt es entweder große Straßen mit super starken Verkehr oder kleine Straßen, die kaum befahrbar oder zum Teil auch sehr steil sind. So entscheiden wir uns für die große Straße, die über einen Pass führt. Alle Straßenszenarien die wir bis dato erlebt haben, sind ein Katzenspiel, zu dem was hier abgeht. Tonnen schwere Lastwagen, Busse und Jeeps – Verkehrsmittel Nummer eins in Nepal und davon gibt es tausende -machen mit ihren Hupen auf sich aufmerksam und starten dann zum Überholmanöver. Wir schleppen uns also mit 4 -5 km/h etliche Kurven hinauf zum Pass und werden von einem Dauerhupen begleitet. Das einzig Schöne ist die Aussicht auf die vielen Reisterrassen und eine 20 km lange Abfahrt hinunter ins Terai.

Unten in der Trockenebene angekommen, haben wir bereits das Gefühl, schon mitten in Indien zu sein. Hier tummeln sich die Menschen, wie die Hühner auf der Stange. Hauptsächlich leben hier arme Bauern mit ihren Tieren, die versuchen sich irgendwie über Wasser zu halten. In den Ortschaften geht sehr chaotisch zu, jeder fährt nach seinen Regeln und zwischendrin dann noch das Vieh.

Was wir so vom Bauernhof kennen, irrt hier planlos auf den Straßen herum. Hinzu kommt dann noch Staub, Dreck, Fragen wie: where are you from, whats your name … und ein ohrenbetäubender Lärm, der uns dazu zwingt, den ganzen Tag mit Kopfhörern zu fahren. Die letzten Tage zehren ganz schön an unseren Nerven und so fahren wir mit gemischten Gefühlen dem nächsten Land entgegen.

 

 

4 Kommentare

  1. Dikendra Dhakal

    9. November 2017 at 13:26

    Dearest friends,
    It was a great time meeting you in Nepal. We are happy to show our projects. Thank you very much for your great contribution towards our projects.
    Wish you all the best.
    Namaste and dear greetings
    Dikendra & Back to Life Team, Nepal

    • radler

      9. November 2017 at 13:41

      Namaste Dikendra,
      It was a great experience and a little adventure for us. Keep it up and you´ve our support. Best regards to all

  2. Achyut Prasad Paudel

    12. November 2017 at 6:50

    Dear friends
    Namaste
    It was great time with you here in Nepal. You explain our working mobility. Many many thanks for visiting our project and hoping to welcome you again In Nepal. Have great time
    Again Namaste and Have great time
    Achyut
    Back to Life e.V, Nepal office

  3. Jayanta Brahma ( Moon)

    23. November 2017 at 15:58

    Welcome to Assam.. BODOLAND.. TERRITORIAL COUNCIL.. Gossaigaon. It was a lovely few minutes with you guys..Hope to see you in the future with long hours of sharing each other’s culture..
    Would love to see u back here…Safe riding…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*