Thailand II – Ein Wiedersehen im Schlemmerfahrradies

Beim Check-In am Flughafen von Kalkutta, schütteln wir ein letztes Mal den Kopf über Indien. Mit Fahrrädern haben sie anscheinend wenig Erfahrung, ein ewiges Hin und Her, bis wir recht knapp vor Abflug endlich im Flieger sitzen. Nach nur drei Stunden Flugzeit, landen wir auch schon in Bangkok. Die Freude ist groß, nachdem wir bei unserer ersten Tour die Thais schon in unser Herz geschlossen haben. Nach den anstrengenden, nervigen aber auch schönen Wochen in Indien ist es für uns fast wie nach Hause kommen. Rucki zucki sind die Räder zusammengebaut und der erste Seven- Eleven auch schnell gefunden. Wir erstehen Kaffee, Kakao und Sandwiches und die Freundlichkeit mit der uns alles serviert wird, ist ansteckend. Zwar völlig übermüdet, aber mit einem Dauergrinsen, machen wir uns auf den Weg nach Norden. Keine Hupkonzerte mehr, keine gefährlichen Automanöver, breite und gute Straßen, Radfahren kann so schön sein! Auch das Umringen und Anstarren hat zum Glück ein Ende. Die Thais sind unglaublich gelassen und mit sich selbst beschäftigt.

Unser erstes Ziel ist Ayutthaya, eine ehemalige Königsstadt, Weltkulturerbe mit unzähligen Tempelanlagen und Palästen. Im Hotel werden wir freundlich begrüßt und beziehen unser Zimmer. Es ist hell, hat eine Klimaanlage und die sauberen Betten duften nach frischer Bettwäsche. Nach acht Wochen Indien und Nepal waschen wir endlich mal wieder unsere vor Dreck stehenden Klamotten durch, sind happy und genießen diesen Luxus. Wir merken aber auch, wie verwöhnt wir eigentlich sind. Perfekte Straßen, volle Supermärkte, alles ist sauber – für uns selbstverständlich. Doch die Erlebnisse und Erfahrungen der vergangenen zwei Monate möchten wir nicht missen. In Ayutthaya besuchen wir als erstes ein zweiwöchig andauerndes Volksfest. Eine riesige Tempelanlage mit antiken Ruinen wurde in ein Schlemmerparadies verwandelt. Auf einigen Bühnen werden traditionelle Tänze und Lieder zum Besten gegeben. Alles ist auf thailändische Art beleuchtet, überall spielt Musik in einer Wahnsinns Lautstärke und aller paar Meter steht eine Fressbude, wie unser Weihnachtsmarkt, nur ohne Glühwein.

An einem Stand bekommen wir ein Faltblatt in die Hand gedrückt. Es ist eine Schnitzeljagd. Wir müssen verschiedene Stationen anlaufen und bekommen dort jeweils einen Stempel. Den Spaß lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Also schlendern wir stundenlang über das Gelände, futtern was das Zeug hält und bekommen nach und nach so unsere Stempel. Überfluss pur – wir genießen es in vollen Zügen. Gleichzeitig ist das Ganze auch eine Landwirtschaftsschau. Alle möglichen Tiere und Pflanzen werden gezeigt und zum Kauf angeboten. Als wir alle Stempel zusammen haben (es sind 15), bekommen wir einen handgemachten und handbemalten Origami- Fisch aus Palmblättern. Wir haben auch schon eine Idee, wie dieser sicher nach Hause kommt, denn das Ding muss definitiv mit. Nach den Verlusten in Indien, statten wir dem örtlichen Fahrradladen einen Besuch ab. Er ist erstaunlich gut ausgerüstet und so erstehen wir neben einem Radcomputer auch gleich noch ein Satz neue Radtaschen für Silvio. Alles nicht billig, aber es nützt nichts.

Weiter geht´s am Chao Praya Fluss entlang in Richtung Norden. Die Landschaft ändert sich bis Sukhothai nur wenig. Erst Reis-, dann Zuckerrohrfelder und so manche Tage ziehen sich in die Länge. Dazwischen liegen kleine Dörfer mit vielen Tempeln. Einige sind neu oder noch im Bau und wir fragen uns, wer das eigentlich alles bezahlt. Da wir schon so viele gesehen haben, machen wir auch nicht überall halt. Irgendwo im Landesinneren verbringen wir dann unser Weihnachten. Aber von Weihnachtsstimmung ist hier nichts zu sehen und zu spüren und so fühlen wir uns auch. Ein ganz normaler Tag halt. Die Zuckerrohrernte ist in vollem Gange und uns kommen viele übervoll beladene LKWs entgegen. Die verlieren schon mal einen Teil ihrer Ladung und wir müssen aufpassen nicht wegzurutschen. Auf den Feldern herrscht ein emsiges Treiben. Die Ernte erfolgt noch per Hand und die wenigen Maschinen werden zum Beladen der Trucks benutzt.

Wir fahren weiter nach Sukhothai. Im 13. Jahrhundert war sie Hauptstadt des gleichnamigen Königreiches. Die Altstadt ist Weltkulturerbe und sehenswert, mit vielen eingefallenen Tempeln, Wasserbecken und uralten Bäumen. Wir besorgen uns die Einlasstickets, wollen noch eine rauchen, als wir ein paar Radler sehen. Ina und Mirko, ein Pärchen aus Chemnitz die insgesamt drei Jahre unterwegs sind. Wir tauschen uns aus und bekommen wertvolle Tipps für unsere Weiterfahrt. Gemeinsam radeln wir durch den Park, lachen viel und verbringen den gesamten Nachmittag zusammen. Wie immer vergeht die Zeit zu schnell und so verabschieden wir uns herzlich voneinander.

Als nächstes Zwischenziel steht Phrae auf dem Plan. Dort wollen wir Silvester feiern und eine Pause einlegen. Bis dorthin sind es aber noch einige Tage. Wir verlassen den Chao Praya Fluss und so langsam ändert sich die Landschaft. Es wird bergiger und natürlich auch wärmer. Auf ruhigen Straßen passieren wir immer wieder kleine Orte in denen es gemütlich zugeht. Aus den Häusern dudelt Thai- Musik und wir bekommen oft ein Lächeln geschenkt. Auch die Tempel werden wieder eindrucksvoller. Alles ist überladen mit Figuren und Symbolen. In einer Tempelanlage steht eine Art Elefanten- Schwan. Er ist riesig, filigran und wie so viele Figuren mit Goldfarbe überzogen. Wir können uns nicht sattsehen. Der Yom Fluss führt uns nach Phrae. Das breite Tal ist voller Orangenplantagen und Reisfeldern, die in hunderten Grüntönen leuchten. Die Berge ringsum bilden dabei eine schöne Kulisse. Auch Phrae ist alt und mit einigen schönen Tempeln bestückt, die wir unter die Lupe nehmen.

Dann ist er da, der letzte Tag des Jahres und wir wollen endlich mal wieder feiern. Wir fragen ein paar junge Leute und werden fündig. Die Stadt hat eine Amüsiermeile mit Bars und Restaurants in denen oft Live-Musik gespielt wird. Doch die Art wie die Thailänder Silvester feiern, ist eine andere. Die meisten sind weiß angezogen und gehen in die Tempel. Sie sind bunt geschmückt und die Menschen schreiben ihre Wünsche auf Lampions, die dann aufgehängt werden. Geldscheine und Gebetsfahnen flattern symbolisch im Wind herum. Die Mönche sprechen Gebete in einer ruhigen und gelassenen Atmosphäre.

Kurz vor Mitternacht finden wir uns in einem kleinen Club ein. Der Eintritt ist zwar frei, aber die Getränkepreise sind saftig. Zum Glück ist um die Ecke ein Supermarkt, in dem wir ein paar Bier kaufen und uns unters Volk mischen. Die Musik ist nicht so unsere Sache, aber die Thailänder feiern und wir mit. Es ist zwölf, alle umarmen sich und mit einem Schlag ist der Laden leer. Also beschließen wir weiterzuziehen. Die nächste Bar mit Live-Musik ist gleich daneben. Auch hier ist die Musik gewöhnungsbedürftig, sodass wir genug haben und mit unseren geliehenen Hotelrädern zurückfahren. Kurz darauf springt von Dominics Rad die Kette vom Ritzel, toll, also ist Schieben angesagt. Mit ordentlich Bier im Blut ist das gar nicht so einfach. Am Neujahrstag ruhen wir uns aus, bevor es weiter nordwärts nach Chiang Rai geht.

Jetzt beginnt nicht nur der landschaftlich schönste Teil, mit Bergen und Tälern, sondern es ist ein großes Wiedersehen angesagt. In Chiang Rai treffen wir uns mit Stephan, Tilo und Sven, unseren Freunden aus Leipzig. Bei leichtem Nieselregen fallen wir uns in die Arme und begrüßen uns überschwänglich. Wir zischen ein paar Bier und die Freude ist groß. In der gemeinsamen Unterkunft wird es ein langer Abend, es wird gefeiert, und wir müssen natürlich viel erzählen und einige Bilder zeigen. Es gibt ein paar Mitbringsel aus der Heimat, inklusive zwei Gläser Leberwurst, die wir uns einige Tage später mit Schwarzbrot schmecken lassen. Die Jungs haben sich Motorroller gemietet, so können wir unsere Räder stehenlassen und gemeinsam zwei Tage lang die Stadt unsicher machen. Dank der Roller sind wir schnell unterwegs und besichtigen einige Tempel und Museen, die es auch hier reichlich gibt. Die Stadt hat Flair, ist gemütlich und nicht allzu groß. Wir futtern uns über den Nachtmarkt und kosten eine Menge regionaler Spezialitäten. Wie so oft vergeht die Zeit wie im Flug und nach zwei schönen Tagen müssen wir uns leider verabschieden.

Da unsere Zeit mal wieder zu knapp ist und das Visum bald abläuft, nehmen wir einen Bus und fahren kurzer Hand für zwei Tage nach Chiang Mai. Die Räder lassen wir derweil sicher in Chiang Rai stehen. Auch hier gibt es wieder reichlich Sehenswürdigkeiten zu bestaunen. Allerdings ist die Stadt völlig auf Tourismus ausgerichtet. Cafés, Restaurants, Hotels, Galerien und Souveniershops reihen sich aneinander. Nach einigen Wochen fast ohne Touristen, sind wir völlig überrumpelt von den Menschenmengen. Für uns recht gewöhnungsbedürftig, denn es sind eindeutig zu viele. In Chiang Rai sind wir etwas auf den Geschmack gekommen und entscheiden uns, statt Fahrrädern, zwei Motorroller zu mieten. Für jeweils 2,50 Euro am Tag ein unschlagbares Angebot, welches wir uns nicht entgehen lassen. Das erste Mal in unserem Leben steuern wir nun so ein Teil und es macht echt Laune. So düsen wir im Linksverkehr raus aus der Stadt, weiter hoch in die umliegenden Berge. Und es kommt, wie es kommen musste, eine Polizeikontrolle…hmfff. Während Dominic sich noch vorbeimogeln kann, erwischt es Silvio. Der internationale Führerschein wird verlangt und weil dieser nicht vorhanden ist, gibt es ein Knöllchen. Doch zum Glück ist es nur eine Ermahnung und eine Strafe bleibt somit erspart. Oben angekommen klappern wir noch eine Attraktion ab, doch genauso wie unten in der Stadt, tummeln sich auch hier Touristen in Scharen. So bleiben wir nicht lang und fahren zurück zum Hotel, wo wir lieber etwas Ruhe am Pool genießen.

Ruckzuck vergehen auch die zwei Tage und wir fahren zurück nach Chiang Rai, wo wir noch etwas Kleinkram erledigen. Ein letztes Mal schlemmen wir uns durch den tollen Nachtmarkt wie in so vielen Städten dieses Landes und vermissen es jetzt schon. Und so rollen wir die letzten Kilometer mit einer Träne im Auge, aber auch mit Vorfreude dem nächsten Land entgegen.

 

5 Kommentare

  1. Anke aus dem Kufsteiner Weg

    16. Januar 2018 at 16:04

    Hallo ihr beiden. Schön wieder von euch zu lesen und alles Gute für dieses Jahr. Bleibt vor allem gesund.🙋

  2. Till + Janine

    16. Januar 2018 at 17:12

    Unsere Vorfreude steigt mit diesem Artikel noch ein wenig mehr. Schade das wir uns verpassen… aber spätestens in Leipzig fährt man sich bestimmt wieder über den Weg. Grüße aus Sri Lanka

    • radler

      25. Januar 2018 at 17:22

      Hey ihr Zwei,

      ja schade, aber wir sehen uns definitiv in Leipzig wieder, vielleicht aber doch noch irgendwo in the middle of nowhere 🙂

      Beste Grüße

  3. Dikendra Dhakal

    16. Januar 2018 at 17:31

    Dear greetings from Kathmandu – Nepal, dear you TWO.
    Thoroughly enjoyed reading your travel text. And I like the part that you mentioned that you washed after 8 weeks – your dirty clothes !! 🙂 🙂
    Well, after next week I will be in Nuwakot again and the school kids whom you greatly entertained will surely ask you about you and if you have send more „soapy bubbles“.
    With what name shall I ask in Kathmandu store to buy the stuff that you added in the bucket ?

    Happy New Year 2018, dear friends.

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