Polen – Vom Karpatenvorland an die Oder

Zum dritten Mal ziehen wir nun durch Polen. Vor einigen Jahren radelten wir im Norden nach Danzig und ein weiteres Mal durch die Masuren. Auf dieser Reise soll es durch südliche Gefilde gehen und wir freuen uns sehr darauf. Doch zuvor müssen wir die Räder beim polnischen Zoll durchleuchten lassen, dann steht der Weiterfahrt nichts mehr im Wege. Schon der erste Eindruck lässt uns staunen. Die Straßen sind nun nagelneu und es liegt kein Krümel Müll in der Gegend herum. Auch kulinarisch hat Polen so einiges zu bieten. Hier essen wir die ersten Schnitzel seit einer Ewigkeit, mit Pfifferlingen, Kartoffeln, Rote Beete, Gurken und Bohnensalat. Dazu ein kühles Radler und das Ganze für vier Euro pro Person – lecker und günstig. Südostpolen, hier liegen die Ausläufer der Karpaten, es bleibt also hügelig und sportlich für uns. Auf den Hauptstraßen ist der Verkehr anfangs recht nervig. Es gibt viele LKWs die sehr knapp und mit unverminderter Geschwindigkeit an uns vorbeirauschen. Also weichen wir auf kleinere Nebenstraßen aus. Hier ist es um Einiges ruhiger, allerdings mit deutlich mehr Anstieg. Die Berge lassen grüßen und uns gefällt´s.

Kleine gepflegte Dörfer, in denen jedes zweite Haus neu ist, liegen verstreut in einer schönen Hügellandschaft. Alles ist sehr gepflegt, vom schmucken Garten bis zum Rasen an der Bushaltestelle. Auf hohen Masten nisten die Störche und die Küken sind fast so groß wie ihre Eltern. Die Einheimischen sind sehr gläubig, was wir an den vielen Kirchen erkennen. Oft sind diese neu und sehen manchmal aus wie Raumschiffe. In den Dörfern sind sie nach unserem Geschmack etwas fehl am Platz. Doch hin und wieder gibt es auch Schmuckstücke. Kleine aus Holz gebaute Gotteshäuser, sehr schlicht, vom Wetter gegerbt und für uns ein echter Hingucker. Wenn am Sonntag der Gottesdienst stattfindet, stehen viele Leute vor der Kirche und lauschen der Predigt, die auf Lautsprechern nach draußen übertragen wird.

In kleinen Geschäften (Sklep genannt) die es in fast jedem Dorf gibt, machen wir Pausen und lassen die Eindrücke auf uns wirken. In den größeren Ortschaften finden wir alles um uns zu versorgen. ALDI, LIDL, Netto und Co lassen grüßen und man fühlt sich schon fast wie zu Hause. Leider macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es regnet viel und oft ist der Himmel wolkenverhangen. So sehen wir von der schönen Landschaft nicht allzu viel und auch das Campen macht keinen richtigen Spaß. Wir bleiben in einen Ort hängen in dem es ein kleines Hotel gibt. Teuer, doch uns bleibt nichts anderes übrig. An diesem Abend spielt Deutschland gegen Korea und das Ergebnis passt zum Wetter, es regnet in Strömen.

Unsere erste Großstadt ist Krakau. Die angeschriebenen Warmshowers melden sich leider nicht und zu unserem Entsetzen sind die Zimmerpreise astronomisch hoch, aber laut Karte gibt es Campingplätze, die wir ansteuern. Der Erste ist komplett belegt (was ist denn hier los?!) und der Zweite, schon weiter weg vom Zentrum, würde 25 € die Nacht kosten. Kein Hotel, ein Campingplatz!!! Nach kurzem Überlegen lassen wir die Stadt links liegen und düsen weiter. Die Zeit der günstigen Zimmer ist definitiv vorbei, zum Glück bessert sich das Wetter und wir zelten für umsonst. Um mal einen Tag Pause einzulegen, schreiben wir ein Pärchen in Katowice an und bekommen prompt eine Einladung – Juhu! Magdalena und Jan umsorgen uns, wir können Wäsche waschen und schauen uns die Stadt an. Ein Mix aus alten und modernen Gebäuden lädt in der Altstadt zum Bummeln ein. Die Stadt war ein bedeutendes Zentrum des Kohlebergbaus, wandelt sich aber immer mehr zum Hightech-Standort.

Ausgeruht verlassen wir die Stadt und jetzt spielt auch das Wetter wieder mit. Die Landschaft ist nicht mehr hügelig, was uns ebenfalls entgegenkommt und auf kleinen Nebenstraßen gibt es kaum Verkehr. Wir campen an einsamen Seen und grillen das erste Mal auf unserer Reise. Einweggrills bekommen wir in jedem Supermarkt. Steaks oder Würstchen mit Kartoffelsalat, dazu ein kühles Bierchen – Was will man mehr? Ein Konzert von Schwänen, Wildgänsen und Reihern begleitet uns durch den Abend. Wir erreichen Wroclaw, zu deutsch Breslau. Hier können wir bei Kasia, Mirek und der kleinen Alexandra unterkommen und bleiben zwei Nächte. Die Innenstadt ist groß und wir schlendern über den herrlichen Markt. Im letzten Krieg wurden bis zu 80 Prozent der Gebäude Breslaus zerstört. Doch die Polen haben ganze Arbeit geleistet und nun erstrahlt die Altstadt mit ihren vielen Kirchen wieder im neuen Glanz. Vom Turm auf einer Kathedrale haben wir einen tollen Blick über die Stadt. Wir sind begeistert von den vielen kleinen Details. Um die Altstadt herum stehen alte Gebäude, die noch nicht totsaniert wurden. Der Putz blättert ab, an den Fassaden gibt es Balkone, große Graffitis und es hat noch den Charme der Nachwendezeit.  

Da wir noch genügend Zeit haben, machen wir einen Abstecher in Richtung Norden, nach Poznań (Posen). Der Radweg R9, führt uns dorthin. Abseits der großen Straßen lässt es sich richtig schön radeln. Zwar sind einige Sandpassagen dabei, bei denen Schieben angesagt ist, doch es ist viel besser als den ganzen Tag nur LKWs zu hören. An einem Abend kommen wir in ein kleines Dorf mit einem Teich, an dem einige Angler sitzen. Es ist so idyllisch, dass wir beschließen, hier zu zelten. Der Sklep hat noch geöffnet und so versorgen wir uns mit dem Nötigsten. Nach dem Abendessen taucht dann die örtliche Dorfjugend auf, mit denen wir auch gleich ins Gespräch kommen. Ein Angler bietet uns seinen selbstgemachten Birnenschnaps an, doch wir sind vorsichtig und kosten nur ein kleines Glas. Die jungen Leute können ein wenig englisch und so lachen und trinken wir viel. Das rächt sich am nächsten Morgen mit ordentlich Kopfschmerz. Zum Glück haben wir noch Aspirin dabei, die helfen uns aus dem Gröbsten heraus.

Zu unserm Pech fängt es immer wieder an, heftig zu regnen. Am letzten Tag vor unseren nächsten Warmshower regnet es in Strömen und Dominic jagt eine  Reifenpanne nach der anderen. Die Erste können wir während eines Platzregens in einer Autowerkstatt beheben, den Kaffee und ein Selfie mit dem Chef gibt’s gratis dazu. Dann eine Zweite rund fünf Kilometer vor dem Ziel. Kaum zu glauben, denn nach ewiger Problemsucherei, stellen wir fest, dass sich das Felgenband in die Schläuche frisst und einen ordentlichen Schnarz hinterlässt. Ein Tag also, den wir getrost aus dem Kalender streichen können. Die letzte Großstadt, die wir erreichen, ist Poznan (Posen). Auch hier kommen wir bei einem Pärchen unter. Zwei volle Tage bleiben wir bei Marta und Sebastian und sind froh bei dem nassen Wetter ein Dach über dem Kopf zu haben. Posen ist vergleichbar mit Städten wie Breslau und Danzig. Ein sehr schöner alter Markt mit vielen kleinen gemütlichen Gassen drum herum lädt zum Schlendern ein. Doch es gibt auch viel Modernes, dass sich harmonisch ins Stadtbild einfügt.

Nach einem zweitägigen Zwischenstopp radeln wir weiter. Der R1 Radweg, welcher London mit Warschau verbindet, soll uns nun die letzten Kilometer durch Polen führen. Über Kopfsteinpflaster geht es durch urige Dörfer, die vom Geldregen noch nix abbekommen und dadurch ihren Charme behalten haben. Es geht auf Feldwegen entlang durch große duftende Wälder mit einigen Sand- und Schiebepassagen. Leider regnet es immer wieder, doch die Plätze die wir zum Zelten finden, entschädigen dafür. Die vielen Seen der dünn besiedelten Region bieten mit ihren tollen Sonnenuntergängen ein ruhiges Plätzchen. An den Regen ab und zu haben wir uns schon gewöhnt, doch es soll ja besser werden.

Und dann kommt der große Moment… nach einem Jahr, fünf Monaten und fünfzehn Tagen überqueren wir die Oder bei Küstrin. Wir sind nicht nur mega aufgeregt, sondern auch gespannt darauf, was uns in der Heimat erwarten wird.

 

6 Kommentare

  1. Gregor schieritu

    20. Juli 2018 at 13:28

    Willkommen zurück ihr lieben. Liebe Grüße! Gregor

  2. Vorfreude schönste Freude, ganz viel Freude auch bei uns im Hort🤗,
    bis bald 🙌🚴‍♂️👭🤹‍♂️🤓🕺👬🏃‍♀️😁🏃‍♂️👫🤸‍♀️🤡💃🏾🕺🙋🏽‍♀️⛹️‍♀️🚴‍♀️

  3. …..Schön, dass du bald wieder kommst. Wir haben gerade deinen Bericht gelesen und die Bilder angeschaut. Dachten bei Bild 40, au weia, jetzt ist es passiert, Dominic ist versteinert😉.Aber zum Glück nicht. Ganz liebe Grüße aus dem Hort

  4. Till Zimmer

    29. Juli 2018 at 0:03

    Herzliche Glückwünsche zur heilen Ankunft! Wir freuen uns jetzt schon auf ein paar gemeinsame Bier und den Austausch von Reisegeschichten. Liebe Grüße aus Japan

  5. Hallo ihr beiden, vielen Dank und liebe Grüße aus der Heimat! Macht nicht mehr so lange, wir haben schon mal ein Bierchen in den Kühli gestellt. Bis bald…….

Kommentare sind geschlossen.