Kategorie: Iran

Mit Plan B durch die Wüste

Wir haben Shiraz nun hinter uns gelassen und wollen weiter Richtung Wüste. Gleich hinter der Stadt erwartet uns endlich mal wieder Ruhe, wie wir sie schon lange nicht mehr hatten. Die Straße ist super ausgebaut, mit wenig Verkehr und sie führt uns an unzähligen Weinhängen entlang. Shiraz sein Wein soll wohl sehr bekannt sein, doch wo man ihn kaufen kann – wir wissen es nicht. Wir wollen zum Bakhtegansee, einem riesigen Salzsee und mit 350.000 Hektar der zweitgrößte des Landes. Wir spekulieren auf Flamingos, die den weiten Weg aus Russland auf sich nehmen, um dort zu überwintern. Doch als wir am See ankommen, ist das Wasser leider schon verdunstet, die Tiere sind bereits weg und wir stehen vor einer großen Salzwüste.

Am Rand des Sees bauen wir unsere Zelte auf und genießen die Stille einsamer Natur. Mit einem Schlag tauchen am Himmel düstere Wolken auf und aus einer leichten Brise Wind wird zunehmend ein Sturm. Von weitem sehen wir eine riesige Staubwolke auf uns zurollen, doch für einen Umzug ist es bereits zu spät. Wir kriechen in unsere Zelte und halten unser Hab und Gut so gut es geht fest. Regen, Sand und vor allem Salz peitschen um die Zelte. Silvio hat es ganz besonders erwischt. Um seinen Campingstuhl vorm Wegfliegen zu retten, hält er diesen im Vorzelt fest in seinen Händen, noch bevor er überhaupt alles schließen kann. Hinzu kommt, dass sein Zelt nicht in Windrichtung steht und er sich gleichermaßen um die Rückwand kümmern muss. Nach einer guten Stunde ist das Schauspiel wieder vorbei und das große Aufräumen angesagt. Das ganze Zelt ist verwüstet, die Räder und Taschen sind mit einer Salzkruste bedeckt. Auch wenn ein bisschen Angst mitgespielt hat, müssen wir hinterher doch etwas schmunzeln und sind um eine Erfahrung reicher. Am nächsten Tag bekommen die Räder eine Grundreinigung mit dem Hochdruckreiniger und die Zelte einen Schleudergang im Waschbecken eines Stadtparks und alles ist wieder tippi toppi.

Unsere Visa laufen bald ab und in zwei Wochen wollen wir in Mashhad sein. Somit nutzen wir nochmals den Bus bis nach Kerman, von wo aus wir dann in die Wüste starten. Wir stellen einen Plan auf, denn auf den knapp 900 km gibt es bis auf halber Strecke wenig Ortschaften. Es muss genügend Wasser her, aber auch Nahrung. So stocken wir auf dem tollen Basar in Kerman unsere Vorräte mit Datteln, Nüssen, Rosinen usw. auf. Für unsere Planung sprechen wir mit Einheimischen, nutzen Maps oder das Roadbook von einem Radler, der die Strecke bereits vor zehn Jahren gefahren ist. In diesem ist alles genauestens detailliert, von Wasserstellen, Shops, Tankstellen bis hin zu Höhen- und Kilometerangaben. Für uns ein großer Vorteil und wir sind sehr dankbar, dass er uns diese Infos zur Verfügung stellt. Zwischen Kerman und Ravar, geht es für uns noch mal ordentlich in die Höhe. Wir fahren zwei Pässe auf rund 2400 m und rasseln dann durch eine faszinierende Berglandschaft. Hier finden wir den perfekten Spot zum Zelten und zum Genießen des Sonnenuntergangs mit dem Anblick der bunt leuchtenden Berge.

Wir lassen das Gebirge nun hinter uns und rollen in eine endlos weite Wüste. Tagsüber ist es mittlerweile brutal heiß und das Thermometer klettert auf über 50 °C. Auch Nachts fallen die Temperaturen nicht unter 25 °C, so dass wir kaum zum Schlafen kommen. Hinzu kommt ein Gegenwind, ähnlich einem Heißluftgerät, der das Fahren für uns fast unmöglich macht. Wir ändern deshalb unsere Fahrzeiten, stehen 5.00 Uhr morgens auf und fahren bis Mittag den größten Teil der Tagesstrecke, sodass wir nachmittags nur noch einige Kilometer zu kurbeln haben. Unter dem Dach einer Moschee finden wir für einige Stunden Schatten und auch Wasser, mit dem wir uns gelegentlich etwas abduschen. So hangeln wir uns von Moschee zu Moschee, in der Hoffnung dort unser Wasser zu bekommen.

Leider ist das Roadbook nicht mehr aktuell und die Moscheen führen zum Teil kein Wasser mehr. Unser Plan geht nicht richtig auf und wir müssen zusehen, wie wir an unsere Wasservorräte kommen. An einem qualvollen Nachmittag und mit einer letzten Pfütze in der Flasche, pausieren wir an einem Betonboller, der uns vor dem heißen Wind schützt. Plötzlich hält ein Auto an und man mag es kaum glauben, wir bekommen eine halbe Wassermelone, eiskalte Coca Cola, Multisaft, Wasser und Kekse geschenkt. Unsere Freude ist riesig und das Zeugs geht runter wie Öl. An der nächsten Moschee, gibt es auch wieder kein Wasser und langsam beginnen wir daran zu zweifeln, ob wir die Strecke so überhaupt schaffen. Gott sei Dank pausieren hier zwei LKW-Fahrer und wir bekommen so viel Wasser, dass wir damit bis zum nächsten Laden fahren können.

Am Tag darauf ist die Hitze und der heiße Gegenwind so heftig, dass wir für 40 km um die vier Stunden brauchen und sich die letzten Kilometer bis zum nächsten Shop wie ein zähes Gummiband ziehen. Die Anstrengungen sind echt enorm. Völlig ausgelaugt erreichen wir endlich die Ortschaft Neybandan. Hier gibt es die wohlverdiente Pause mit eiskalten Getränken und einem riesen Berg Reis mit Hühnchen. Während dessen ändern wir unseren Plan und beschließen mit einem LKW bis nach Ferdows zu trampen. Wir ersparen uns 250 heiße Wüstenkilometer, denn während der Fahrt wird klar, es gibt hier fast keine Ortschaften. So machen wir einige Tage gut und müssen nach hinten raus nicht ganz so viele Kilometer fahren.

Hinter Ferdows wird die Wüste wieder zur Halbwüste und es ist alles etwas dichter besiedelt. Um Wasser und Nahrung brauchen wir uns nun also keine Gedanken mehr machen. Wir rollen an Pistazien Plantagen entlang und nehmen kurz vor Mashhad nochmals einen letzten Pass in Angriff, bevor es dann in die zweitgrößte Stadt des Landes geht. Wir haben eine Kontaktadresse mitten im Zentrum der Stadt und lassen uns dort für einige Tage nieder. Ruhe ist angesagt, denn die letzten Tage waren kräfteraubend und wir sind ziemlich ausgepowert. Einen Tag nach Ankunft haut es uns regelrecht aus den Socken und der Magen spielt verrückt. Der Spuck ist aber nur von kurzer Dauer und wir sind wieder relativ flink auf den Beinen. So nutzen wir die Zeit für einige Erledigungen, organisieren ein weiteres Visum und nehmen uns pünktlich zum Ramadan das Heiligtum des Imam Reza unter die Lupe. Tausende Pilger strömen zu diesem heiligen Zentrum und wir sind völlig überwältigt von dieser tollen Atmosphäre.

Knapp zwei Monate waren wir hier unterwegs, sind 3000 km quer durchs Land gefahren, haben beeindruckende Landschaften gesehen und tolle Menschen kennengelernt. Wir waren Gast bei zahlreichen Familien, wurden mit einer Herzlichkeit und Gastfreundschaft aufgenommen, wie man sie nur selten erlebt. Allen Gastgebern sei gesagt, ihr habt uns nach Strich und Faden verwöhnt, weitergeholfen, beschenkt und uns interessante Einblicke gegeben – dafür sagen wir tausend mal Danke!
Iran ist ein wunderschönes Reiseland, was wir nur jedem wärmstens ans Herz legen können.

Städtetrip durch Persien

Endlich haben wir Esfahan erreicht, eine wirklich bezaubernde Stadt, mitten in der persischen Halbwüste. Von einem Freund haben wir zuvor einen guten Kontakt bekommen, für uns mal wieder ein absoluter Volltreffer. Pezhman und die Familie von Reza nehmen uns von ganzen Herzen auf und wir fühlen uns sofort pudelwohl. Am Rande der Innenstadt haben sie ein kleines Häuschen mit Hof, der mit Weinreben überdacht ist. Hier sitzen wir oft draußen, halten einen Plausch, trinken Tee und genießen gemeinsam die freie Zeit.

Wir werden oft eingeladen, so besuchen wir auch ein paar Freunde von Pezhman und zelebrieren unsere Ankunft mit selbstgebrannten Dattelschnaps und gegrillten Spießen. Im Laufe des Abends schwingen wir dann noch ordentlich das Tanzbein und machen anschließend einen Nachtspaziergang zur bekannten Sängerbrücke. Der Name ist Programm, hier wird gemeinsam gesungen, getrommelt, ein Picknick eingelegt oder einfach nur herumgelungert. Wir haben super Glück, denn der Zayandeh Rud führt Wasser, was in den heißen Monaten eher selten ist. Wir bestaunen die vielen Bögen der Brücke, die sich im Fluss widerspiegeln und für ein tolles Schimmern sorgen.

Esfahan ist eine grüne Perle mit vielen tollen Ecken. Ganz besonders angetan sind wir von dem riesigen Imam-Platz und die anliegende Imam-Moschee. Rund um dem Platz befinden sich die Geschäfte der Händler, die ihre Kupfer- und Porzellanwaren an den Mann bringen wollen. Geht man in den Innenbereich, ist man mitten auf dem Basar, der uns einmal ringsum führt. Vom Imam-Platz aus gelangt man dann auch in die riesige Moschee. Ein wahres Meisterwerk architektonischer Baukunst. Alles ist sehr detailreich mit Mosaiksteinen verziert, für unsere Augen ein Hochgenuss.

Wir lassen unsere Räder in Esfahan stehen und fahren ausnahmsweise mal mit dem Bus. Es geht weiter südlich nach Yazd. Die Stadt liegt am Rande der Wüste und ihre Umgebung ist relativ dünn besiedelt. Als wir aus dem Bus steigen, erschlägt uns zunächst die Affenhitze und wir ahnen, was uns in den kommenden Wochen erwarten wird. Yazd ist ein eher entspanntes Städtchen und nicht ganz so quirlig wie Esfahan. Hier wird ein Gang zurückgelegt und selbst am Abend, wenn alles auf den Beinen ist, geht es eher ruhig zur Sache. Die Altstadt besteht aus vielen kleinen Gassen, es gibt eine Menge Torbögen und Windtürme, die in den Häusern für Frischluft sorgen. Auf Grund der Wärme erscheint uns die Stadt ab Mittag wie ausgestorben. Wir genießen diese Ruhe, schauen uns die Sehenswürdigkeiten an oder faulenzen einfach nur herum.

Nach einer Woche Pause freuen wir uns nun wieder auf die Weiterfahrt, die uns durch das Zagros Gebirge führt. Die Landschaft wird zunehmend einsamer, rauer und trockener. Es hat kaum noch Grün und eine Menge Dornen-Gewächs. Auf der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz verlassen wir die Straße und schlagen querfeldein, wie so oft. Mit Gänsehaut-Feeling fahren wir in ein Gebiet, das uns an eine Mondlandschaft erinnert. Hier finden ein perfektes Plätzchen für unsere Zelte und die verdiente Feierabendruhe. Einige Tage lang kämpfen wir nun gegen böige Winde, die uns fast von der Straße pusten und zum Anhalten zwingen. Trotzdem machen wir auch an solchen Tagen im Schnitt unsere 80 – 90 km. Unser Energieträger ist das alltäglich selbst gemachte Morgenmüsli, Nüsse und Obst hat es hier reichlich.

Hinter Safashsahr fahren wir noch einen Pass, bevor es Richtung Shiraz nur noch bergab geht. Von Bergen umgeben eröffnet sich vor unseren Augen ein riesiges Tal reich an grünen Feldern, die mit Wasserkanälen bewässert werden. Es duftet nach angebauten Gemüse und die abendliche Sonne sorgt für die passende Lichtstimmung. An diesem Tag machen wir mal schlappe 130 km und erreichen Persepolis, die damalige Hauptstadt Persiens. Um den Trubel unzähliger Touristen zu umgehen, campen wir im danebenliegenden Park und statten der Anlage gleich am frühen Morgen einen Besuch ab. Doch weit gefehlt, bereits ab 8.00 Uhr morgens rollen die ersten Busse an. Wir sind flinken Fußes, bestaunen die zum Teil noch gut erhaltenen und unzähligen Reliefs auf den Steinblöcken der Ruinen und rollen dann weiter nach Shiraz.

Nicht nur die Sonne, sondern auch reger Verkehr bringen uns zum Schwitzen. Gegen Mittag zeigt unser Tacho bereits um die 50 °C. Hinzu kommt ein enormer Lärmpegel der vorbei donnernden LKW´s, ohne Mucke läuft da gar nix. Wir sind in Shiraz angekommen, einer Stadt zwischen Tradition und Moderne und wir befinden uns nun mitten in Persien. Hier erlebt man den Iran, wie er im Buche steht. Von Schrauberbuden, Goldgeschäften, Kupfer-, Teppich – und Textilläden über Gewürzshops und Fruchteisläden, gibt es hier wirklich alles. Die Händler kutschen ihren Ware mit Sackkarren durch die unzähligen Basare, die alle miteinander verknüpft sind. Das ganze Geflecht ist so groß, dass man sich darin verlaufen kann. Ein kunterbuntes und reges Treiben was hier herrscht, einfach nur grandios.

Nicht nur hier, sondern auch an vielen anderen Ecken, gibt es jeden Abend selbst gemachte Limonade for free – yummi -. Im Umkreis von Shiraz, soll es wohl auch die besten Zitronen des Landes geben und dies schmeckt man auch bei den eisgekühlten Getränken. Das direkt danebenliegende Shah – Cheragh Heiligtum haut uns regelrecht aus den Socken. Hier hatte der Architekt des Taj Mahal seine Finger im Spiel. In einer Bauzeit von rund 200 Jahren wurden Millionen von Mosaiksteinen wie ein Puzzle zusammengefügt. Sie dekorieren die Fassaden mit floralen Mustern und Versen in leuchtenden Farben.

Innerhalb kurzer Zeit, haben wir nun einen Drei-Städte-Marathon auf dem Buckel. Auch wenn wir uns auf diese tollen Städte gefreut haben, sind die Besuche zum Teil mit Stress verbunden. Nach einem Break in Trubel und Hektik, freuen wir uns immer wieder darauf, weiter zu rollen. So auch nun, wir verlassen Shiraz in Richtung Kerman und begeben uns auf eine einsame Fahrt durch die Dasht-e lut.

Iran – Ein Land mit viel Herz

Der Iran, was freuen wir uns seit Monaten auf dieses riesige Land, reich an Kulturschätzen, voller Geschichte und landschaftlicher Vielfalt. Hier werden wir die längste Zeit unserer Reise verbringen und sind gespannt, was uns erwartet. Die ersten Tage radeln wir durch die Provinz Gilan, der wichtigste Reislieferant des Landes. Gleich hinter dem Grenzübergang Astara bekommen wir auch schon die ersten Reisfelder und dichte Wälder zu sehen, davon gibt es eine Menge hier. Wir schlafen noch ein letztes mal am Kaspischen Meer, bevor es ins Landesinnere geht und nutzen die zur Verfügung stehenden Parks der Region. Campen ist hier fast überall erlaubt, selbst in einem Stadtpark kein Problem.

Wir erreichen Rasht, die erste große Stadt in diesem Land. Wir essen gemütlich ein Eis am Straßenrand und überlegen wo wir nächtigen können. Plötzlich spricht und ein Herr an und lädt uns zu ihm nach Hause ein. Hier bekommen wir die volle Packung der iranischen Gastfreundschaft zu spüren. Uns erwartet ein großes Haus am Rande der Innenstadt, mit allem was dazu gehört. Hashem und seine Familie verwöhnen uns zwei Tage lang nach Strich und Faden und laden uns zu einem Tagesausflug ins 80 km entfernte Masuleh ein. Das idyllische Bergdorf liegt auf 1100 m Höhe und besteht überwiegend aus Lehmziegelhäusern. Jedes dieser Häuser hat ein Terrassendach, das begehbar und dann mit dem nächsten Haus verbunden ist. Alles ist verschachtelt, es hat unzählige Treppen und Gassen. Oben angekommen hat man dann einen tollen Blick auf die Dächer und hinunter ins Tal.

Schweren Herzens verabschieden wir uns von dieser wunderbaren Familie und radeln weiter über das Elburz Gebirge. An diesem Tag hat es reichlich Gegenwind aus Süd, und mit einmal bekommen wir den Wind wie aus einem Heißluftgerät mitten ins Gesicht geschlagen. Das Thermometer klettert Innerhalb weniger Minuten – schnauf – von 17 °C auf weit über 30 °C. Wir fahren am Sefid – Rud Stausee entlang, ein riesiges Wasserreservoir, das von Bergen umgeben ist.

Nach und nach schrauben wir uns bei prasselndem Regen weiter hinauf zum Pass, von dem aus wir dann nach Qazvin fahren. Hier parken wir die Räder ab, nutzen zum ersten mal den Zug auf unserer Reise und das zu einem Spottpreis von umgerechnet 3,00 € für zwei Tickets. Es geht wohl oder übel ins 180 km entfernte Teheran, wo wir die weiteren Visa organisieren. Die Stadt ist voll von Motorrädern und es hat reichlich viel Lärm, jeder fährt wie er lustig ist, Ampeln gleich Null und wir sind froh, dass wir den Zug genommen haben. Nach langer Zeit in der Natur ist diese stickige Metropole für uns erstmal eine Umstellung. Doch wir haben Glück, können alles an nur einem Tag erledigen und sind froh, diesem riesigen Moloch den Rücken zu kehren. Mit frischen Visa fahren wir zurück ins eher gemütliche Qazvin. Vor Ort schauen wir uns die mit Spiegeln reichverzierte Imamzade Hossein Grabmoschee an und genießen das gemütliche Städtchen.

Wir machen weiter nach Hamedan und kurbeln mit ordentlichem Gegenwind Richtung Alvand Gebirge. Die Straßen sind in gutem Zustand, es hat wenig Verkehr. Es wird oft gehupt, gelegentlich fährt ein Auto oder Motorrad langsam an uns heran – where are you from – ? Allein in den ersten paar Tagen bekommen wir am Straßenrand Kekse, Kuchen, Melone, Suppe mit Joghurt und sogar Eiscreme geschenkt. Bei den langsam ansteigenden Temperaturen für uns der absolute Hit. Wir sind überwältigt von der Gastfreundschaft und Aufgeschlossenheit, die für uns manchmal schon zuviel des Guten ist. Die Iraner stehen auch total auf Selfies und da sind wir Exoten natürlich das perfekte Motiv.

Mehr und mehr nähern wir uns nun dem Alvand Gebirge. An den Berghängen leuchten die Wiesen in sattem Grüntönen und entlang der Strecke hat es viele blühende Obstbäume. Beim Überqueren des 2300 m Passes glüht nicht nur die Sonne, sondern auch die Knochen und wir denken immer wieder an das, was uns später noch erwartet. Danach geht es mit ordentlichem Schwung in eine Hochebene und weiter nach Hamedan. Die Stadt liegt zu Füßen des Zagros – Vorgebirges. Im Zentrum erwartet uns zunächst die Ruhe, denn es ist Freitag (im Iran Wochenende) und gegen frühen Nachmittag, wo die meisten Läden geschlossen haben. In dieser Zeit nutzen viele die Schattenplätze in den Parks. Am Abend ändert sich dann das Bild. Die Rollläden gehen nach oben und die Straßen pulsieren plötzlich. Händler breiten ihre Ware auf den Gehwegen aus, es duftet nach Essen, eine Menge Lampen und LED Werbeschilder setzen das Ganze noch in Szene. Nicht nur auf den Straßen, sondern auch auf dem Basar blüht das volle Leben, für unsere Augen ein Gedicht.

Einen Tag später treffen wir mitten auf der Straße dann einen Taubstummen. Er hat sein Bike auf ein Tourenrad getrimmt und ist total happy uns zu sehen. Auch wenn die Verständigung zunächst etwas schwierig erscheint, können wir ihn verstehen. Er begleitet uns durch die Stadt und wir machen einen kleinen Abstecher ins örtliche Hamam Museum. Es hat viel Gewölbe und die Innenausstattung lässt an die alte persische Zeit erinnern.

Nach kurzen Break rollen wir nun gen Esfahan. Die Landschaften werden immer schöner, von sanften Hügeln, bis hin zu hochalpinen Gebirgsketten ist alles dabei. Immer wieder begegnen wir Halbnomaden, die mit ihren Schafherden die Straßen kreuzen oder ihre Lager auf den Feldern aufgeschlagen haben. In der Provinz Loristan, genauer gesagt in der Gegend vor Dorud, haut uns die Landschaft ganz besonders aus den Socken.

Wir finden ein gemütliches Plätzchen auf einem kleinen Hügel am Rande eines Dorfes. Von oben aus gesehen hat man einen fantastischen 360° Blick auf die umgebenen Bergketten und die Felder der Bauern. Kaum oben angekommen, haben wir auch schon den ersten Besucher, wie fast jeden Abend. Während uns der ältere Herr auf Farsi (persisch) den Mund fusselig redet und zuschaut, wie wir die Zelte aufschlagen, zieht ein Sturm heran. Keine Viertelstunde später beginnt das ganze Szenario. Der Herr rennt davon, und wir versuchen unser ganzes Hab und Gut in den Zelten zu sichern und schnell noch die Leinen zu spannen. Während uns Wind und Regen um die Ohren peitschen und wir panisch unsere Zelte festhalten, kommt plötzlich dieser Mann mit seinen zwei Töchtern zurück und serviert uns ein Tablett mit frischem Brot, Butter und selbstgemachter Marmelade.

Wir können es selbst kaum glauben, aber es ist tatsächlich wahr. Gemeinsam stehen wir nun draußen, lassen dieses kurzzeitige Unwetter über uns ergehen, bis sich urplötzlich die Sonne hinter dem Gipfeln zeigt und das Schlechtwetter davon zieht. Ein riesiger Regenbogen erscheint und die Landschaft leuchtet in fantastischen Farben. Wir genießen nicht nur das Essen, sondern auch den Moment, der uns wohl noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird.

So langsam nähern wir uns nun Esfahan, worauf wir uns schon riesig freuen. Hier tanken wir etwas Kraft auf und lassen ein paar Tage die Seele baumeln.