Juchhei, wir sind nun in Usbekistan und haben Zentralasien erreicht. Doch zuvor ging es kurz und knapp durch Turkmenistan. Ähnlich einem Lotteriespiel und einer Chance von 50% ergatterten wir ein fünftägiges Transitvisum und eine Strecke von 540 km lag nun vor uns. Ein Überschreiten dieses Visums ist unmöglich und kann mit hohen Strafen geahndet werden. Somit standen wir etwas unter Zeitdruck und mussten zusehen, wie wir die Strecke schnellstmöglich hinter uns bringen. Der Wetterfrosch hat außerdem starke, zum Teil böige Gegenwinde vorhergesagt und Temperaturen um die 40 °C. Der Grenzübergang öffnete erst Stunden später als geplant und die Zeit flog so dahin. Wir haben beschlossen, die Sache etwas entspannter anzugehen und sind von Grenze zu Grenze mit dem Zug einmal quer durchs Land gerattert.

Am Bahnhof von Sarahs mussten wir mehrmals Rede und Antwort stehen und mehrere Passkontrollen über uns ergehen lassen. Im Park von Mary wurden wir des Platzes verwiesen und sollten die Stadt verlassen. Nach unserer tollen Zeit im Iran war die Stimmung zunächst im Keller und wir wollten so schnell es geht wieder raus aus diesem Land. Innerhalb von zwei Tagen waren wir in Türkmenabat und genossen noch zwei entspannte Tage an einem Seitenarm des Amu Darja. Wie herrlich es ist, nach so langer Zeit in Trockenheit endlich mal ins Wasser zu hüpfen, für uns Genuss pur.

Noch schlappe 30 km trennen uns von Usbekistan und die Vorfreude ist ungemein groß. An der Grenze läuft zu unserem Glück alles entspannt ab und nach einer Stunde haben wir bereits passiert. Uns fällt sofort auf, dass die Luft hier viel sauberer ist als im Iran. Viele Autos und LKWs wurden auf Gas umgerüstet und es hat deutlich weniger Motorräder auf den Straßen. Als Fortbewegungsmittel nutzt man noch den Esel oder ein Sammeltaxi, wovon es hier reichlich gibt. Gut für die Umwelt, und das Atmen macht wieder richtig Laune. In einem kleinen Dorf machen wir unsere erste Pause auf usbekischen Boden und werden erstmal mit einem Schälchen Bier in Empfang genommen. Auch wenn das Zeugs bei den Mittagstemperaturen ganz schön reinhaut, sagen wir nicht nein.

Wir nähern uns immer mehr Buchara und als wir im Zentrum ankommen, sind wir erstaunt, wie wenig Touristen es hier hat. Die Saison ist scheinbar vorbei und tagsüber liegt die Stadt im Dornröschenschlaf. Die Innenstadt gehört zum Weltkulturerbe und ein schönes Bauwerk reiht sich ans andere. Zwischendrin verkaufen die Händler Keramikwaren, Teppiche, traditionell buntgefärbte Stoffe und mehr. Von den Festungsmauern der Ark haben wir einen genialen Blick auf die historische Altstadt und die Moschee Kalan mit ihren Minarett. Wie im Iran beginnt auch hier erst am Abend das volle Leben und die Menschen tummeln sich auf den Plätzen oder in den Parks der Stadt. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre, hier fühlen wir uns auf Anhieb pudelwohl und machen für einige Tage Pause.

Aufgetankt steuern wir nun gen Samarkand und schlagen querfeldein. Abseits der großen Straßen ist es etwas ruhiger, dafür haben wir zum Teil aber auch recht grottige Pisten dabei. Nicht nur wir, sondern auch die Autos fahren im zick zack um die großen Löcher im Asphalt. Durch einen alten Wasserkanal hat es einen grünen Gürtel, der die Städte Buchara und Samarkand miteinander verbindet. Unzählige Dörfer reihen sich aneinander, viele Felder und Plantagen bestimmen das Landschaftsbild. Nach langer Zeit in Trockenheit genießen wir den Anblick sehr und kurbeln durch diese fruchtbare Landschaft.

Auf der Suche nach einem Mini Markt stoßen wir auf Fasillidin. Der gute Mann lädt uns auf sein Grundstück ein. Uns erwartet ein riesiger Garten mit einer großen tollen Lümmel-Pritsche. Perfekt für unsere durchgerüttelten Knochen und den Schmerzen am Hintern. Wir duschen aus dem Eimer und einer improvisierten Duschekabine aus Plastikfolie. Seine Enkelkinder spielen auf selbst geschweißten Spielgeräten, die uns an alte Zeiten erinnern. Wir bekommen nicht nur einen Tee nach dem anderen, sondern am Abend auch noch feinstes Plov serviert. Statt Milch aus der Pappe gibt es nun frisch gezapfte von der Kuh und das Morgenmüsli schmeckt gleich doppelt so gut. Das Leben hier ist sehr einfach, aber schön.

Hügel um Hügel und mit Blick auf die ersten Berge rollen wir in Samarkand ein. Wir nehmen die Stadt unter die Lupe und statten dem Registan-Platz einen Besuch ab. Mit seinen drei riesigen Medresen wirken die wenigen Menschen hier wie Spielfiguren. Wir stehen wieder vor einem prächtigen Meisterwerk und sind erstaunt über die vielen detailreichen Mosaikverzierungen. Die bepflanzten Innenhöfe sorgen nicht nur für etwas Schatten, sondern laden auch zum Relaxen ein. Aber nicht nur Sightseeing ist angesagt, sondern wir nehmen uns auch Zeit und verpassen unseren Rössern eine Schönheitskur. Öl wird gewechselt, die Kette bekommt einen Feinschliff und Silvio bastelt bereits an seinem vierten Radständer – Made in China -. Zudem misten wir unsere Taschen ordentlich aus, denn es stehen anstrengende Bergetappen vor uns und wir merken auch, dass wir gar nicht soviel Krempel brauchen. Der Versand hier ist vergleichsweise günstig und so nutzen wir die Gelegenheit und senden einige Dinge in die Heimat. Übrigens werden die Pakete hier noch in Stoffe eingepackt, per Hand vernäht und mit Wachs versiegelt, welch ein Spaß auf der Post.

Um einige Kilo leichter geht es nun endlich wieder in die Berge und wir hoffen auf etwas kühlere Temperaturen. Doch weit gefehlt, die Sonne sitzt uns im Nacken und bereits ab 8.00 Uhr morgens brennt der Planet. Jede kleine Bewegung bringt uns zum Schwitzen und 5 Liter Wasser pro Kopf schlucken wir locker weg. Nachts schlafen wir kaum noch im Zelt, sondern einfach nur auf unseren ausgebreiteten Zeltunterlagen. Es geht Richtung Boysun und hier zeigt sich Usbekistan von seiner besten Seite. Innerhalb einiger Tage fahren wir durch unterschiedlichste Landschaften. Ähnlich wie auf einer Eisenbahnplatte wechseln sich karge Berge mit sanften Hügelketten ab. Weiter oben radeln wir dann auf einem Hochplateau, wo sich viele Ziegen- und Schafsherden auf den Feldern tummeln.

Wie wollen endlich mal wieder baden gehen und steuern deshalb einen Stausee an. Ein kleines Fischrestaurant mit schattigen Plätzchen ist der ideale Ort dafür. Wir essen seit der Türkei das erste Mal wieder frischen Fisch und springen danach noch ins „kühle“ Wasser. Als wir dann weiterwollen, rollt plötzlich ein heftiger Sturm an. Staub und Sand wirbelt durch die Luft und man kann gerade noch einige Meter sehen. Der Dreck frisst sich in jede noch so kleine Lücke unseres Gepäcks. Wir beschließen im Restaurant zu bleiben, um dort die Nacht zu verbringen. Am Abend dann werden wir spontan von einer Gruppe Steuereintreiber zum Geburtstagessen eingeladen. Die Usbeken lieben es sehr reichhaltig und so wird fleißig aufgetischt. Neben Schaschlik-Spießen, Fisch und frischem Obst darf der Wodka natürlich nicht fehlen, und so hauen wir uns nach langer Zeit nicht nur den Bauch, sondern auch die Rübe voll. Man gießt uns einem nach dem anderen ins Schälchen und wir sorgen für Tanz und musikalische Unterhaltung. Spät in der Nacht sind wir – wie immer – die letzten und so werden dann aus drei Stunden Pause, zwei schöne Tage in einem kleinen Restaurant.

Nach zwei Wochen verlassen wir nun das Land und werden zu guter Letzt mit einer tollen Portion Witz und Humor vom usbekischen Zöllner verabschiedet. Alvido O’zbekiston!